Die Geschichte eines unglaublichen Erfolges

Das Pop-Wunder aus Kassel: Milky Chance sind die Aufsteiger des Jahres

Kassel. Wie sehr sich das Leben von Clemens Rehbein verändert hat, erkennt man an seiner Unterschrift. 2013 war das Jahr, in dem aus dem Kasseler Abiturienten ein Pop-Star wurde. Als Milky Chance schaffte der 21-Jährige mit seinem Kumpel Philipp Dausch ein Wunder.

Das Duo ist in den Single-Charts auf Rang zwei, tritt in ausverkauften Hallen auf und gibt fleißig Autogramme.

„Meine Unterschrift sieht jetzt ganz anders aus“, stellt Rehbein fest, nachdem er seinen Schriftzug auf Tausende Zettel, Plakate und Mädchenarme gesetzt hat. Wir erzählen die Geschichte eines unglaublichen Aufstiegs, den Milky Chance ganz allein und ohne große Plattenfirma geschafft haben.

Der Erfolg

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Milky Chance mit dem Radiopreis "1Live Krone" ausgezeichnet

Manchmal findet Rehbein das, was in den vergangenen zwölf Monaten passiert ist, selbst „befremdlich: Ich realisiere das alles erst jetzt“. Für 150.000 verkaufte Einheiten ihres Hits „Stolen Dance“ bekamen Milky Chance im November eine Goldene Schallplatte. Im Moment steuern sie auf Platin zu. Das Duo trat in der ganzen Republik in ausverkauften Hallen auf. Und vorige Woche erhielten die Nordhessen für „Stolen Dance“ den Radiopreis „1 Live Krone“ und stachen dabei Stars wie Cro aus.

Begonnen hat die Geschichte von Milky Chance vor fünf Jahren. Da lernte Rehbein in der Schule Philipp Dausch kennen. Mit Freunden spielten der Bassist und der Gitarrist als Flown Tones Jazz-Klassiker nach. Im Sommer 2012 machten sie an der Jacob-Grimm-Schule Abitur - Rehbein mit einem Notenschnitt von 3,5. Er überlegte, ob er Musik studieren sollte und lud stattdessen eigene Songs bei Youtube hoch.

„Ich wollte mal gucken, was passiert.“ Das Ding begann zu laufen. Ohne Hintergedanken nannte sich das Duo Milky Chance. Heute verzeichnet allein „Stolen Dance“ mehr als acht Millionen Klicks.

Die Musik 

Mehr über die Geschichte von Milky Chance in unserem RegioWiki

Milky Chance bringen die Musik-Kritiker zum Verzweifeln, weil man die Musik in keine Schublade stecken kann. „Was immer es ist, es ist vor allem eins: großartig“, jubelte der „Musikexpress“. Mit seiner Tom-Waits-Stimme singt Gitarrist Rehbein poppige Singer-Songwriter-Melodien zu Reggae-Rhythmen. Dausch bastelt am Computer House-Beats und pluckernde Elektronik dazu. Hin und wieder hört man Beach-Boys-Chöre. Rehbein weiß selbst nicht, wie er den Stil von Milky Chance nennen soll, er favorisiert: „Singer-Songwriter-Elektro-Schranz“.

Die Plattenfirma

Es ist ein Jahr her, dass Freunde für Milky Chance die Plattenfirma Lichtdicht Records gründeten. Seither haben alle Major-Labels angefragt und den Newcomern viel Geld geboten. „Wir waren uns einig, dass wir alles ablehnen“, sagt Rehbein. „Nur so können wir machen, was wir wollen.“ Im Büro in der Friedrich-Ebert-Straße wird gerade eine Europa-Tour geplant. Bald wollen sie sich bei Lichtdicht Records um weitere Künstler kümmern. Die Jugendlichen haben sich alles selbst aufgebaut.

Die Zukunft

Sogar aus Australien und Afrika bekommen Milky Chance Anfragen. Andere Musiker würden jetzt überlegen, in eine Pop-Metropole ziehen. Doch Rehbein sagt: „Ich bin nicht der Berlin-Typ.“ Noch wohnt er bei seinen Eltern. Der Jungstar, der laut eigener Aussage vergeben ist, schätzt die Ruhe in Kassel und sucht gerade eine eigene Wohnung.

Fotos: Milky Chance zu Gast bei Radio HNA

Milky Chance zu Gast bei Radio HNA

An neuen Songs schreibt er schon. Seine Plattenfirma hat derweil ein Luxusproblem. Die zweite Single „Down By The River“ hätte schon längst erscheinen sollen. Aber noch wollen alle „Stolen Dance“ hören. „Wir würden das Lied gar nicht ins Radio bekommen“, sagt Tobias Herder von Lichtdicht.

Fotos aus der Käthe-Kollwitz-Schule

Milky Chance spielen in der Käthe Kollwitz Schule

Von Matthias Lohr

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