In Frankreich führt eine geistliche „Boyband“ seit Wochen die Hitparade an

Popstars in Priesterkutten

Glaube. Liebe, Hoffnung: Frankreich liebt die CD der singenden Priester „Spiritus dei“. Foto: nh

Paris. Tiefe Dekolletés, schrille Töne und laszive Posen sind passé. Die Musikgruppe, die Frankreich in Wallung bringt, trägt züchtige Priesterkutten und stimmt hymnische Lieder über Glaube, Liebe, Hoffnung an. Weil sie aus einem Priester, einem Vikar und einem Seminaristen besteht, heißt die Band schlicht „Les Prêtres“ – „Die Priester“.

Seit vier Wochen führt das Trio die französische Album-Hitparade an und verwies Sänger-Kolleginnen wie Lady Gaga und Madonna auf die Plätze.

Video (hier klicken): Les Pretres - Spiritus Dei

200 000 Alben des priesterlichen Werks „Spiritus Dei“ wurden bereits verkauft. Zu hören sind teils eigenwillige Interpretationen spiritueller Lieder von „Hallelujah“ bis „Ave Maria“, aber auch weltlicher Songs wie Michael Jacksons „Heal the World“ und gängiger Liebes-Chansons.

Väter der Idee sind der Sänger Didier Barbelivien und der Bischof der Alpendiözese Gap, Jean-Michel di Falco, die sich inspirieren ließen von Erfolgen der irischen Priester-Band „The Priests“ und singenden Mönchen aus dem Stift Heiligenkreuz bei Wien. Berührungsängste mit den Medien und Vermarktungsstrategien hat di Falco als ehemaliger Sprecher der französischen Bischofskonferenz nicht. Zumal sie für einen guten Zweck sind, wollte er doch Geld für eine Schule in Madagaskar und ein neues Gotteshaus für den Pilgerort Gap sammeln. Er verschaffe der Kirche Zugang zu den Menschen, verteidigt der Bischof und „Manager“ seine Strategie: „Wenn andere in ihrer Sakristei bleiben wollen, ist es ihr Problem. Wir kommen dorthin, wo die Leute sind.“

Aus seiner Diözese wählte er fünf stimmgewaltige Kandidaten aus, von denen nach einem Casting drei Sänger für die ungewöhnliche „Boyband“ übrig blieben. Der Heilige Geist allein verhalf ihrer CD nicht zum Erfolg, sondern auch Frankreichs größte Fernsehgruppe TF1. Indem sie Tournee und Werbe-Kampagne produzierte, bekommt sie, wie das Platten-Label Universal, ein großes Stück des finanziellen Kuchens ab. TF1 steht auch hinter der kleinen Frankreich-Tournee. „Es wäre toll, wenn wir bei jeder Messe ein so volles Haus hätten wie diesen Abend“, schwärmte Jean-Pierre Ellul, Leiter der Basilika Sacré-Cœur in Marseille, nach einem ausverkauften Konzert.

Autogramme geben und für Fotos posieren – den Trubel machen die Popstars in Priestergewändern mit amüsiertem Erstaunen mit. In erster Linie, sagt Vikar Charles Troesch, blieben sie Priester und die Konzerte auf fünf begrenzt. Dabei bekomme er täglich 20 Anfragen, klagt ihr Tournee-Organisator: „Ich zünde Kerzen dafür an in der Hoffnung, mehr Termine zu bekommen!“

Den Link zum Video von „Les Prêtres“ finden Sie unter www.hna.de/kultur

Von Birgit Holzer

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