Porträt der Provinz: Matt Damon im Fracking-Film „Promised Land“

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Müssen Vertrauen schaffen: Sue (Frances McDormand) und Steven (Matt Damon) sind Konzernvertreter.

Das Karohemd schafft Vertrauen. Wer Provinzlern in der US-amerikanischen Pampa etwas verkaufen will, muss ihnen nah kommen. Und das geht leichter, wenn man die Großstadtklamotten ablegt und kumpelhaft im fremden Wohnzimmer auftaucht wie der nette Typ von nebenan.

Gus van Sant wirft in seinem neuen Film „Promised Land“ einen vielschichtigen Blick auf das ländliche Amerika in Zeiten der Krise - aber, allgemeiner, auch auf die Frage, wie sehr Wutbürger wir heute sein können. Wann entsteht politisches Bewusstsein, und wann nimmt eine Familie in Notsituationen lieber eine dollarschwere Entschädigung für eine ökologisch bedenkliche Landnutzung an, als sich politisch zu wehren?

„Promised Land“ punktet mit dieser anspruchsvollen Thematik, traut sich aber nicht, den Weg konsequent weiterzugehen und opfert die Komplexität zugunsten einer arg vorhersehbaren Läuterungsstory.

Erzählt wird die Geschichte anhand des auch hierzulande brisanten Themas Fracking, also der Erdgasgewinnung aus Schiefer mit chemischen Mitteln. Dabei vermeidet es der Film, selbst eindeutig Stellung zum Thema zu beziehen.

Matt Damon (auch Drehbuch) spielt den smarten Konzernvertreter Steven Butler, der mit Kollegin Sue (die wunderbar lakonische Frances MacDormand) die Farmer eines Dorfes Hof für Hof überzeugen soll, seinem Arbeitgeber die Landnutzung zuzugestehen. Dafür kann er Millionen ausschütten - und durchaus Menschen helfen.

Dramaturgisch geschickt sorgen Drehbuch und Kamera dafür, dass die Zuschauer ganz auf Butlers Seite sind und sich plötzlich dabei ertappen, ihm den Erfolg zu wünschen, selbst wenn die Gegner womöglich bessere Argumente haben.

Das wird besonders dann deutlich, als Umweltaktivist Dustin (John Krasinski, auch Drehbuch) auftaucht und den Ort in Sachen Meinungsbildung gründlich durcheinanderwirbelt. Das hormongesteuerte Gerangel der beiden Männer um die hübsche Lehrerin (Rosemarie deWitt) sorgt bei Steven auch nicht gerade für einen ruhigen Schlaf. Die ideologischen Fronten werden hier wie nach dem Lehrbuch durchdekliniert, Steven Butlers kantenlose Firmenloyalität und seine persönliche ideologische Festigkeit geraten ins Wanken.

 

Genre: Drama

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: drei von fünf Sternen

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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