Posen in der Digitalwelt: Olga Holzschuh stellt in der Kunsthochschule aus 

Wie ein altmeisterliches Gemälde: Fotoarbeit von Olga Holzschuh ohne Titel. Fotos: Holzschuh/nh

Kassel. Unterwegs im Zug. Da kann die Landschaft noch so spektakulär sein, die meisten Reisenden blicken auf Tablets oder Telefone.

Die beeindruckende Fotografin Olga Holzschuh hat in ihrer Ausstellung „- links x rechts -“ im Rektorat der Kunsthochschule einen Smartphone-Bildschirm aufgehängt, auf dem zu sehen ist, wie eine Hand unablässig Abbildungen des Himmels wegwischt. Wolken vor blauem Hintergrund, in immer neuer Gestalt. Auf die Natur lassen wir uns nicht mehr in ihrer Authentizität ein, wir nehmen sie nur vermittelt wahr. Und: Wir suchen immer das Ideal. Die Wischbewegung ähnelt der mobilen Dating-App Tinder, bei der man mit einer schnellen Bewegung des Daumens mögliche Partner aussortiert: Die Attraktiven ins Töpfchen, alle anderen ins Kröpfchen.

Die Handhabung technischer Geräte, der Umgang mit Bildern, der Drang zur Selbstoptimierung und -repräsentation - mit solchen Themen setzt sich Holzschuh auseinander. So zeigt die 30-Jährige etwa Gesten und Posen beim Benutzen von Handys - bloß ohne die Geräte - wie ein altmeisterliches Gemälde. Mitunter scheinen Mensch und Technik zu verschmelzen. Im Herbst würdigten die Juroren des UPK-Kunstpreises, wie präzise, mit welch subtiler Lichtführung und fast malerischer Anmutung Holzschuh ihr Thema umsetzt. In jüngsten Arbeiten experimentiert sie mit 3-D-Darstellungen.

Sie werde nicht den Fehler mancher Kommilitonen machen und nach dem Examen Hals über Kopf nach Berlin gehen, sagt die ehemalige Meisterschülerin von Bernhard Prinz, die ihre Zukunft aber eher in einer Großstadt sieht. Oder im Ausland. Kassel schmücke sich mit der documenta, aber die sei eben doch ein „besonderer Kosmos“. Abgesehen vom Fridericianum gebe es sonst wenig Raum für Kunst, auch nur noch wenige günstige Ateliers. Was müsste Kassel bieten, damit sie bleibt? Holzschuh reagiert spontan: „Eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Kunsthochschule.“

Bis 9.3., Menzelstr. 13-15, Südbau, Raum 1230, nach Anmeldung: 0561/8045368, rektorat@kunsthochschule-kassel.de

Zur Person

Olga Holzschuh, 1985 in Solyvo (Ostungarn) geboren, zog als Zehnjährige nach Karlsruhe. In Kassel studierte sie Kunstwissenschaften, Kunstpädagogik sowie Visuelle Kommunikation (Abschluss bei Bernhard Prinz und Johanna Schaffer). Nebenbei arbeitete sie als freiberufliche Fotografin. Eine ihrer Arbeiten wurde für die städtische Artothek angekauft. 2015 hat sie den mit 3000 Euro dotierten Kunstpreis des Unternehmensparks Kassel erhalten.

www.olgaholzschuh.com

www.liebschuh.com

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