Aus dem prallen Bauernleben: Smetana-Oper in Bad Hersfelder Stiftsruine 

Stimmstarke Darbietungen: David Sika als Wenzel und Amber Opheim als Marie. Foto:  Hartmann

Bad Hersfeld. Man kann von vielem in der Smetana-Oper „Die verkaufte Braut“ begeistert sein - angefangen von der wirbelnden Ouvertüre über das böhmische Kolorit bis zur Einheit aus populären und kunstvollen Tonfällen.

Aber ein Punkt an der 1866 uraufgeführten Oper berührt etwas unangenehm - und zwar die nach heutigen Begriffen politisch inkorrekte Zeichnung des Wenzel.

Wie Wagners geprügelt hinkender Beckmesser in den „Meistersingern“ ist Wenzel eine Figur, über dessen Gebrechen seine Mitmenschen lachen. Aus der finalen Festlaune wird Wenzel, stotternd und nicht eben ein Geistesriese, selbstredend ausgeschlossen: Nachdem im letzten Akt der Wanderzirkus ins Dorf gekommen ist, lässt er sich in ein Bärenkostüm stecken. Damit wird er erst recht zum Dorfdeppen, sogar seine Mutter schimpft: „O diese Schande!“

Bei der Premiere in der imposanten, nicht voll besetzten Bad Hersfelder Stiftsruine bringt der alle Register ziehende junge Tenor David Sitka auch das Anrührende des armen Wenzel zur Geltung - eine markante wie stimmstarke Darbietung. Überhaupt sind die wichtigsten Rollen überzeugend besetzt: Fritz Feilhaber (Hans) verfügt über einen strahlenden Tenor, Amber Opheim (Marie) über einen zu intensiven Trauertönen fähigen Sopran. Bei dem spielfreudigen Bass Martin Ohu (Kezal) hätte die Artikulation noch etwas besser sein können.

Die Inszenierung von Prof. Josef Novák hält sich an den Bad Hersfelder Opernstil: keine Experimente. So geht es der Vorlage angemessen volkstümlich zu - mit Trachtenkostümen, mit Gerangel unter Männern und einer veritablen Jahrmarktsgruppe, bei der die schöne Tänzerin Esmeralda (Anne May-Krüger) der Blickfang ist.

Als tschechisches Orchester verstehen sich die Virtuosi Brunensis mit ihrem warmen Klang auf Smetanas Idiom. Unter der Leitung von Prof. Siegfried Heinrich gelingen gerade die gefühlvollen Momente. Allerdings hätte man sich manchmal, etwa beim ersten Auftritt des Heiratsvermittlers Kezal, ein schnelleres Tempo und mehr Biss gewünscht. Ein großes Lob gebührt dem Chor. Wenn die Männer im Wirtshaus den Gerstensaft besingen, beeindruckt die klare, leuchtende Stimmkraft. Freundlicher Schlussbeifall.

Wieder am 12., 14., 16., 18., 20., 22. und 24. August. Kartentelefon: 06621/506713 und 506718. www.oper-badhersfeld.de

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