Matthias Lohr über verschenkte Musik

Der Preis ist heiß

Der gemeine Musikfan tickt nicht anders als ein Zehnjähriger, der zum Geburtstag eine Playstation bekommt, sich aber ärgert, warum ihm nicht auch jemand die Wii-Konsole geschenkt hat. Seit vergangener Woche verkauft der Elektronikhändler Media Markt die Top Ten der Single-Charts in seinem Download-Portal für 10 Cent das Stück statt wie bisher 99 Cent oder 1,29 Euro. Hits von Katy Perry und Wir sind Helden bekommt man bis Freitag dieser Woche fast geschenkt. Dieser Preis ist heiß und für Musikfans wie Geburtstag und Weihnachten zusammen.

Nun gibt es im Netz Kunden, die auf die einmalige Sonderaktion reagieren wie ein gewisser „Fusselbart“, der 10 Cent pro Song dauerhaft fordert: „Das wäre mal ein faires Angebot.“ Genau. Der Bäcker verschenkt sein Brot bald, und den neuen Golf gibt es bei VW für zehn Euro. Das wäre genauso fair.

Konkurrent Amazon hat den Preiskampf bereits angenommen. Der US-Konzern verkauft seine Top Ten nun vorerst für 9 Cent. Einen Track gibt es sogar ganz umsonst - Philipp Poisels „Wie soll ein Mensch das ertragen“.

Wie Musiker das ertragen und von 10 Cent leben sollen, das bleibt die große Frage im digitalen Zeitalter, in dem man Musik beliebig vervielfältigt. Vielleicht sollten Bands nicht mehr Musik machen, sondern nur noch Band-Shirts verkaufen. Die kann man wenigstens nicht kopieren. mal@hna.de

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