Premiere am DT Göttingen: Brechts "Mutter Courage" ganz streng

Meisterlich: Andrea Strube als Mutter Courage. Foto: Kuntner

Göttingen. Die Göttinger Mutter Courage hat keinen Planwagen. Das unverwechselbare Erkennungszeichen von Bertolt Brechts Stück fehlt ebenso wie jede weitere denkbare Bühnenausstattung. Gespielt wird im leeren Raum bei gleichbleibendem Licht, auch die Beleuchtung im Zuschauerraum bleibt angeschaltet.

Die Inszenierung Felix Rothenhäuslers ist eine Art „Super-Brecht“, denn mit seinem epischen Theater wollte der Lyriker und Dramatiker jede Illusion, jede Identifikation ausschließen. Genauso legte der Regisseur seine pausenlos gespielte Aufführung an. Die Personen sprachen in einem gleichbleibendem Tonfall, bewegten sich nur langsam und schematisch, vermieden Ausdruckskraft und Emotion.

Wie Andrea Strube als Courage dies mit einem mütterlichen Lächeln über die mehr als zwei Stunden durchhielt, war meisterhaft. Die Unmöglichkeit, vom Krieg profitieren zu wollen, ohne Teil des Kriegs zu werden, bekam so eine Stimme.

Wenn Erkenntnis angestrebt wird und nicht die Rührung des antiken oder klassischen Theaters, dann kommt dem Wort die zentrale Bedeutung zu. Wer unter den Zuschauern die Ohren öffnete und sich vom gedämpften Tonfall und der geringen Bewegung nicht ablenken ließ, der konnte mit Gewinn aus der Premiere am Samstagabend gehen. Der große Beifall am Ende zeigte, dass dies gelungen war.

Alle Schauspieler hatten sich auf die ungewohnte Aufgabe eingestellt, Theater zu spielen, ohne im üblichen Sinne Theater zu spielen. Neben der Hauptperson waren dies Benjamin Krüger als Eilif, Moritz Pliquet als Schweizerkas, Meinolf Steiner als Koch, Florian Eppinger als Feldprediger, Marie-Kristien Heger als Yvette, Gerd Zinck und Nikolaus Kühn in verschiedenen Rollen.

Eine herausgehobene Stellung bekam Vanessa Czapla als die stumme Kattrin, als sie die dramatische elfte Szene am Schlagzeug sitzend und trommelnd mit wachsender Intensität vorlas und den Zuschauern ihre Botschaft im wahrsten Sinne einhämmerte.

Die Lieder von Paul Dessau, die zum Teil von allen Darstellern gesungen wurden, gliederten den intensiven Theaterabend.

Wieder am 12., 19. und 28.3., Karten: Tel. 0551 / 49 69 11.

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