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Jan Friedrich inszeniert im Kasseler TiF Stückfassung von Thomas Bernhards Roman „Das Kalkwerk“

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Jan Friedrich
Jan Friedrich Regisseur © Privat

Ein harter, gruseliger Stoff, erzählt mit krudem schwarzen Humor – diese Ambivalenzen in Thomas Bernhards „Das Kalkwerk“ haben Jan Friedrich so sehr begeistert, dass er aus dem Roman ein Stück für die Bühne gemacht hat.

„Das Kalkwerk“ fasziniert den 1992 in Lutherstadt Eisleben geborenen Gastregisseur, der in der vorigen Spielzeit am Staatstheater Kassel bereits Tschechows „Kirschgarten“ inszeniert hat, nicht nur als Horrorkomödie und Psychothriller in extremer Sprache. Der Stoff docke an aktuelle Themen an, findet Friedrich – ohne dass es ein Stück nur über Corona sei.Am Samstag hat seine Fassung im Theater im Fridericianum (TiF) Premiere.

„Das Kalkwerk“ handelt vom (Pseudo-)Wissenschaftler Konrad, der sich mit seiner pflegebedürftigen Frau von der Gesellschaft abkapselt, um eine Studie anzufertigen. Gegenseitige Abhängigkeit, sadistische Qualen, groteske Künstlichkeit, Größenwahn, eine verzerrte Wahrnehmung der Welt infolge der Isolation – all das kennzeichne Bernhards Text, der 1970 erschienen ist, als er mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet wurde. Nach lustigem Beginn wird irgendwann in Abgründe geblickt. Friedrich und Schauspieldirektorin Patricia Nickel-Dönicke (Dramaturgie) versichern, dass die Aufführung trotz einer beklemmenden Atmosphäre alles andere als trocken werde: „Es wird sehr sinnlich und super bunt.“ Das liege auch am Sounddesign und den Kompositionen von Nicki Frenking. Auch alle anderen Beteiligten würden bei der skurrilen Bühnenästhetik rausholen, was rauszuholen sei: „Es passiert nicht viel, aber es gibt wahnsinnig viel zu gucken. Da kann die Technik wirklich stolz sein.“

Jan Friedrich erzählt, er habe den Text darüber, wie in der Einsamkeit eine eigene, verschrobene Wahrheit zur unumstößlichen Realität wird, mit den Schauspielern entwickelt. Ein Quintett spielt insgesamt zehn Rollen, also jeweils Mann und Frau.

In den Probenpausen hilft der Regisseur gern beim Malen der Kulissen. Friedrich hat Puppenspielkunst an der Hochschule Ernst Busch in Berlin studiert, deshalb zieht es ihn stets in die Werkstatt. Auch die Kostüme hat er selbst entworfen. Foto: privat

Premiere am 1.10., 20.15 Uhr, TiF, Karten: Tel. 0561/ 1094-222, staatstheater-kassel.de

Von Mark-christian Von Busse

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