Montag, 2. September, 20.15 Uhr

Premiere von "Iason" im tif: „Beobachten ist immer besser als urteilen“

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Kristo Sagor

Was ist ein Held? Was ist Liebe? Was Heimat? Was eine Geschichte? Um große Fragen geht es in Kristo Sagors Neuerzählung der Argonautensaga. 

Kassel - „Iason“ heißt das Stück, dass vielen eher als „Medea“ bekannt sein dürfte – die kolchischen Zauberin und Frau, die zuerst aus Liebe tötet, später aus Wut, Hass, Enttäuschung; Opfer und Täterin zugleich. Doch bei Sagor steht Iason im Mittelpunkt des Jugendstücks, dass Sonntag im tif Premiere feiert. Ein Gespräch mit Autor und Regisseur Kristo Sagor.

Was ist Iason für ein Typ?

Er ist ein unbeschriebenes Blatt. Ein Mann, der fragt, sucht. Er ist weder der Hellste noch besonders tatkräftig und mutig. Sondern ein Naivling, der Schuld auf sich lädt und dadurch erwachsen wird. Ein ganz normaler unglücklicher Mensch, der das Abenteuer sucht und sich von der Freiheit in die Verantwortung bewegt.

Es ist auch ein brutales Stück. Am Ende tötet Medea ihre Kinder. Harter Stoff für Jugendliche.

Ich mache ganz viel Kinder- und Jugendtheater. Eins steht fest: 14-Jährige haben heute Internet und alles gesehen, was man sich vorstellen kann.

Sollen die Zuschauer über Iason urteilen?

Genaues Beobachten ist besser als urteilen. Man kann sich viele Urteile über Iason bilden – unterm Strich ist er ein Mensch.

Welchen Clou gibt es in Ihrer Inszenierung?

Die Darsteller verkörpern nicht nur, sie erzählen und kommentieren. Die Zutaten stammen aus der griechischen Mythologie und aus der Popkultur. Die Spieler wechseln Rollen und Kostüme. Der Raum ist abstrakt, schwarz. Das Schiff, die Argo, ist ein Teil des Bühnenraums.

Welche Rolle spielt die Liebe?

Eine große, Medea und Iason lieben sich. Aber sie reicht nicht. Ein Königinnendrama enthält immer die großen menschlichen Themen. Medea ist bei uns eine Liebende, aber auch eine Zauberin, eine gefährliche, fordernde, kluge Frau. Wir schauen auf die Ehe, die Karriere und das männliche Abenteurertum.

Was reizt Sie am Stück?

Dass Iason im Fokus steht. Die Argonauten sind eigentlich Naivlinge, die losjagen und gar nicht wissen, was das Goldene Vlies ist, es geht um das Männerbild – und es ist eine mörderische Veranstaltung.

Und was für ein Typ Regisseur sind Sie?

Ich gehe sehr auf die Schauspieler ein und lasse sie bei den ersten Proben einfach machen, dann gehe ich mit diesem ersten Angebot um. Aber ich bin auch ein sehr textaffiner Regisseur. Es gibt Probephasen, in denen ich so inszeniere, dass die ganze Zeit auf der Bühne geredet wird. Inzwischen weiß ich, dass es ein notwendiges Gegengift ist, nicht zu sprechen.

Jugendliche sind durch Musikvideos und Computerspiele ein hohes Erzähltempo gewohnt. Geht es bei „Iason“ schneller und mit Ebenenwechseln zu?

Ich mit meinen 43 Jahren merke manchmal, dass ich bei solchen Videos nicht mehr mitkomme. Man unterschätzt schnell, was Jugendliche an Ebenen- und Behauptungswechseln kennen. Aber: Wenn eine Szene steht und 30 Sekunden nichts passiert, ist das provokativer und spannender als der schnelle Schnitt. Sie damit zu fesseln, das kann Theater gelingen.

Es ist Ihre erste Regiearbeit in Kassel. Wie zufrieden sind Sie?

Es ist beglückend, dass die sechs Schauspieler in den Probephasen immer mitgedacht und Ideen eingebracht haben. Premiere: Iason, 2.9., 20.15 Uhr, tif. Foto: Maja Yüce

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