Der Ingeborg-Bachmann-Preis geht an die britische Autorin Sharon Dodua Otoo

Ein Ei probt den Aufstand

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Preisgekrönt: Sharon Dodua Otoo hält die Trophäe des Ingeborg-Bachmann-Preises.

Ein Frühstücksei wird zum Ich-Erzähler: Mit einer schrägen satirischen Textkonstruktion, die auf diesem ungewöhnlichen Protagonisten basiert, hat Sharon Dodua Otoo heute für die Geschichte „Herr Gröttrup setzt sich hin“ den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt gewonnen.

Die Auszeichnung der Stadt Klagenfurt, eine der wichtigsten für Literatur im deutschsprachigen Raum, ist mit 25.000 Euro dotiert. 14 Teilnehmer waren ins Rennen gegangen.

Jurorin Sandra Kegel von der FAZ, die die Autorin zum Wettbewerb eingeladen hatte, sprach in ihrer Laudatio von einem großen „Klagenfurt-Moment“, als sie den Text das erste Mal las: „Ich war wie elektrisiert.“ Sie würdigte die „charmante, unangestrengte Satire“, den „feinen Humor der Verunsicherung“, den Otoo in ihrem Text erzeuge, in dem es unter anderem um ein Ei geht, das nicht hart werden will. Vom Frühstückstisch gelange Otoo zu Wissenschaftsgeschichte. Die Autorin sei „eine neue Stimme in einer neuen Gesellschaft“, sagte Klagenfurts Bürgermeisterin Maria Luise Mathiaschitz, die den Preis überreichte.

Im Text geht es um die Unfähigkeit der Geschlechter, miteinander zu kommunizieren. Dabei wird immer wieder das Publikum direkt angesprochen: „Die Geschichte sollten Sie ausgedruckt in Ihrer rechten Hand halten.“

Sharon Dodua Otoo hat ghanaische Wurzeln. Sie wurde 1972 in London geboren, wo sie aufwuchs und Deutsch und Management studierte. Seit 2006 lebt die Britin mit ihren vier Söhnen in Berlin. Ihre erste Novelle erschien 2012, auf deutsch 2013 unter dem Titel „die dinge, die ich denke, während ich höflich lächle“. Otoo engagiert sich in Initiativen gegen Rassismus.

Schon bei der Jurydiskussion im Verlauf des Wettbewerbs wurden die Perspektivwechsel von Mikro- zu Makrokosmos gelobt, die Szenerie am Frühstückstisch wurde in die Tradition des bürgerlichen Romans gestellt.

In der Stichwahl konkurrierte Otoo mit Marko Dinic, einem Salzburger mit serbischen Wurzeln. Er las seinen Romanauszug „Als nach Milosevic das Wasser kam“.

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