Prof. Walter Sons und seine Ensembles für Glasmusik und für Metallmusik beim Abschiedskonzert gefeiert

Projekte mit langem Nachhall

Freude an ungewöhnlichen Klängen: Walter Sons (links) und das Metallmusik-Ensemble im neuen Uni-Konzertsaal. Foto: Malmus

Kassel. Ausrangierte Pflugscharen, allerlei Metallteile vom Schrottplatz, Röhrenglocken, aufgehängte Bleche, Metallscheiben von Kreissägen, ein wie ein Blumenstrauß arrangiertes metallisches Objekt: Was am Samstag beim Abschiedskonzert des Ensembles Metallmusik im neuen Saal des Uni-Instituts für Musik auf der Bühne stand, war nicht nur ein äußerst ungewöhnliches Ins-trumentarium. Es war auch sichtbarer Ausdruck einer Projektidee, die über Jahrzehnte ausgestrahlt hat.

Walter Sons, ehemaliger Kasseler Musikprofessor und gerade 85 geworden, hatte 1987 mit einer Gruppe Studenten das Ensemble gegründet - sein zweites nach dem bereits seit 1980 existierenden Glasmusik-Ensemble. Vor 200 Zuhörern, darunter vielen langjährigen Weggefährten, schlossen Sons und die Mitglieder beider Ensembles jetzt mit einem doppelten Abschlusskonzert einen eindrucksvollen Schlussstrich unter beide Projekte.

Wie Walter Sons erläuterte, entsprang der Entschluss aufzuhören der Erkenntnis, dass es für diese Projekte, die von den ersten Anfängen an als Gruppenprozesse erfolgten, keine externe Nachfolge geben könne. Immerhin waren über Jahrzehnte die Gründungsmitglieder beider Ensembles zusammengeblieben.

Prof. Dr. Jan Hemming vom Institut für Musik wies auf die Modernität des Ansatzes hin, der in der Aufbruchsphase der Nach-68er-Zeit die Grenzen der etablierten Musikkultur sprengte. Künstlerisch wie pädagogisch sei das Konzept des Experimentellen auch heute aktuell.

Welche außergewöhnlichen Klangerlebnisse dem von Sons und seinen Mitstreitern entwickelten Verfahren kollektiver Komposition entspringen können, demonstrierten die acht Ensemblemitglieder mit drei Stücken.

Danach zog man ins benachbarte Gießhaus um, wo zum letzten Mal das fragile Instrumentarium der Glasmusik aufgebaut war. In einer ausladenden Aufführung, die auch Obertongesang einschloss, versetzten die sechs Mitglieder des Ensembles die Zuhörer in eine tönende Welt, die von feinsten sphärischen Klängen bis zum harten Geräusch reichte. Als klangliche Pointe ließ Walter Sons auch diesmal eine Kugelvase zerschellen. Und noch ein Schmankerl gab es zum Anschluss: Der Bratschist Eckart Schloifer, mit dem zusammen in den 90ern eine CD entstanden war, gesellte sich zu einer gemeinsamen Improvisation zum Ensemble.

Heftiger, langer Beifall verabschiedete die Ensembles, deren Arbeit nach 150 Konzerten im In- und Ausland auf diversen Tonträgern nachhallt.

Von Werner Fritsch

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