Protest mit der Trommel: Mohammad Reza Mortazavi beim Kasseler Weltmusikfestival

Hat die schnellsten Hände der Welt: Tombak-Spieler Mohammad Reza Mortazavi. Fotos: dpa/nh

Wolfram Benczek vom Kasseler Kulturzentrum Schlachthof konnte nicht glauben, was er da hörte, als er zum ersten Mal auf einem Konzert des Iraners Mohammad Reza Mortazavi war. Der Perkussion-Künstler hat angeblich die schnellsten Hände der Welt. Wenn er die persische Handtrommel Tombak spielt, glaubt man, er hätte sechs Hände, sagt Benczek, der Mortazavi als einen von vielen Szenestars für das am Freitag beginnende Kasseler Weltmusikfestival verpflichtet hat.

Nun sorgt der seit mehr als zehn Jahren in Deutschland lebende Künstler mit einem ungewöhnlichen Protest für Aufsehen: Er hat ein 20-minütiges Stück für seinen Landmann Jafar Panahi aufgenommen, das auf der Seite www.project-20.org zu hören ist. Der Filmemacher gilt als einer der wichtigsten Regisseure des Iran und wurde wegen seiner Kritik am Regime zu 6 Jahren Haft und 20 Jahren Reise- und Berufsverbot verurteilt.

Viele Intellektuelle haben sich mit ihm solidarisiert. Die Berlinale etwa hielt seinen Platz in der Jury demonstrativ frei, als Panahi nicht ausreisen durfte. Mortazavi bat den Regisseur nun, seine Herztöne aufzunehmen. Aus dem Pulsschlag hat der 34-Jährige das Lied „20“ gemacht, eine faszinierende Klangreise, die in einer Trance-Atmosphäre beginnt und sich in ein Trommel-Crescendo steigert. Irgendwann weiß man nicht mehr, ob man sich im Konzertsaal oder auf der Intensivstation befindet.

„Jede Revolution kommt von innen“, sagt Mortazavi, der die Hoffnung auf Wandel in seinem Heimatland noch nicht aufgegeben hat und in seiner Karriere ebenfalls auf Widerstände stieß. Bereits mit zehn Jahren gewann der Sohn zweier Musiker den wichtigsten iranischen Tombak-Wettbewerb. Seither hat er die Spielweise mit mehr als 30 neuen Schlag- und Fingertechniken revolutioniert - zum Ärger mancher Traditionalisten. Manchmal klingen die Trommeln Tombak und auch Daf bei ihm wie ein Klavier.

Mittlerweile wohnt Mortazavi mit seiner Freundin in der Märkischen Schweiz in Brandenburg. Er liebt die Ruhe am Waldrand und lebt weitab vom Puls der Zeit.

www.project-20.org

Kasseler Weltmusikfestival

3. Mai, 20 Uhr (Sparkasse, Wolfsschlucht): The Touré-Raichel Collective (Mali, Israel), Bratsch (Frankreich).

4. Mai, 20 Uhr (Sparkasse): Tryo (Frankreich), Ebot Taylor & The Africa Collective (Ghana).

5. Mai, 12 Uhr (Schlachthof): Feria de Abril. Spanisches Frühlingsfest.

7. Mai, 20.30 Uhr (Schlachthof): Mohammad Reza Mortazavi (Iran).

8. Mai, 20.30 Uhr (Schlachthof): Kapversaz (Türkei, Deutschl., Chile).

9. Mai, 20.30 Uhr (Schlachthof): Strom & Wasser feat. The Refugees (Deutschland, Afrika, Russland, Balkan, Iran und viele Länder mehr).

10. Mai, 21 Uhr (Schlachthof): Imam Baildi (Griechenland).

11. Mai, 21 Uhr (Schlachthof): Lange Weltmusiknacht.

Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204 sowie im Schlachthof, Mombachstraße 10-12. www.schlachthof-kassel.de

Von Matthias Lohr

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