Schauspielschüler spielen „Die Kabale der Scheinheiligen“

Prüfung bestanden

Die ganze Crew versammelt: Die Schauspielschüler der Schauspielschule Kassel mit ihrem Regisseur Rafael Meltzer (vorn) und der leitenden Kosmetikerin Constanze Schulz (links) von der Hippokrates-Schule. Foto: Albrecht

Kassel. Er schreit und tobt, wimmert und schwitzt: Tim Tölke hat sich als Jean Baptiste Molière am Freitag im Dock 4 selbst übertroffen. Er spielt die Hauptrolle in „Die Kabale der Scheinheiligen“ (Regie: Rafael Meltzer, künstlerische Leitung: Viktor Dell) von Michail Bulgakow, das die Schüler der Schauspielschule Kassel als Teil ihrer Abschlussprüfung geben. Das Haus ist sehr gut gefüllt. Eine abgegrenzte Bühne gibt es nicht, und so haben die Zuschauer fast das Gefühl, selbst in das Geschehen einbezogen zu sein.

Dabei spielt die Handlung in einer vergangenen Zeit: Der Schriftsteller Molière weiß sich in der Gunst des Sonnenkönigs Ludwig XIV. (Jessica Baumgarten). Der Komödiant spielt mit seiner Theatergruppe Stücke wie „Der eingebildete Kranke“ und kommt lediglich von Zeit zu Zeit mit der Kirche in Konflikt. Dem Erzbischof (Alexander Bräutigam) ist er jedoch ein Dorn im Auge, und als Molière die sehr viel jüngere Armande (überzeugend Carolin Böhm) heiratet, liefert er Anlass zu Nachforschungen. Dabei kommt heraus, dass Armande wohl nicht die Schwester von Molières Lebensgefährtin Madeleine (Kerstin Diebel) ist, sondern deren Tochter. Somit könnte Molière Armandes Vater sein, der nun seine eigene Tochter zur Frau nimmt. Dies stürzt ihn in eine Verzweiflung, an der er letztlich stirbt.

Den Schauspielschülern gelingt es, eine starke Atmosphäre herzustellen und so einen historischen Stoff in die Gegenwart zu transportieren. Wie nebenbei zeigen sie das Repertoire ihrer erlernten Fähigkeiten: Ein Fechtduell, Gesangseinlagen und eine Beinahe-Sexszene werden überzeugend dargestellt. Viele übernehmen Doppelrollen (wandelbar Benjamin Wilke), manche der Frauen übernehmen Männerrollen (Eva Hamm als Musketier). Dabei wird die Inszenierung insbesondere durch Tölke als Molière getragen, der auf hohem Niveau agiert. Bei ihm wirken Molières Wutausbrüche authentisch, Tölke steigert sich in den Gefühlsausdruck hinein, scheint Molières Probleme mitzuempfinden. Schauspielkunst vom Feinsten.

Von Yvonne Albrecht

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