Konzert in Göttinger Lokhalle

Die Ärzte haben das Publikum fest im Griff

Drei-Stunden-Konzert nach feucht-fröhlicher Nacht: Gitarrist Farin Urlaub (von links), Schlagzeuger Bela B. und am Bass Rodrigo González in der Göttinger Lokhalle. Fotos:  Strunk

Göttingen. Sie nennen ihre Tour „Das Comeback“, dabei waren sie nie weg. Die Ärzte, zumindest zwei von ihnen, zelebrieren seit rund 30 Jahren ihren Punkrock auf deutschen Bühnen. So auch am Sonntag in der ausverkauften Lokhalle in Göttingen.

Nach so langer Zeit wissen die drei Berliner, wie es geht. Sie verwöhnten ihre Fans mit einem dreistündigen Programm – obwohl sie, wie sie zur Begrüßung erzählten, eine feucht-fröhliche Nacht hinter sich hatten: Gitarrist Farin Urlaub feierte am Samstag seinen 49. Geburtstag. Von den Fans gab es ein Ständchen.

Wer die Ärzte kennt, weiß aber, dass drei Stunden Programm bei den Punkrockern Minimum sind und diese schnell vergehen. Immerhin können sie auf ein Repertoire von 25 Platten, davon 13 Studioalben, zurückgreifen. Voll ausgeschöpft haben Bela, Farin und Rod das am Sonntag nicht. Die neueste Platte „Auch“ stand klar im Vordergrund. Auf Klassiker wie „Zu spät“, „Westerland“ oder „Elke“ mussten die Fans verzichten.

Raum für Abwechslung gab es trotzdem. Von jedem Album gab es mindestens einen Song. Wild gemischt: Auf „Ich ess Blumen“ (1988) folgte „Tamagotchi“ (2012), auf „Fiasko“ (2012) „Vokuhila“ (1996).

Das Publikum hatten die schwarz gekleideten Herren wie immer im Griff. „Auuus Berlin“ hallte im Chor wie auf Knopfdruck durch die Halle, als Farin zur Begrüßung fragte: „Wo kommen wir her?“ Auf die Vorband zum Warmwerden konnten die Berliner locker verzichten. Farin gelang es sogar, dass die Fans für eine „Sitz-la-Ola“ fast vollzählig vor ihm in die Knie gingen – während einer Strophe „Unrockbar“.

Das Bühnenbild war wie die Songauswahl: minimal aber wirkungsvoll. Die Bühne füllen allein die drei Musiker – in der Mitte die Drums, die Bela B. wie üblich im Stehen spielte. Die Lichtshow war nahezu perfekt auf die Einsätze abgestimmt. Statt Kulissen gab es eine übergroße Leinwand. Die zeigte mal einen Friedhof, mal einen Kussmund und mal Live-Bilder aus dem Publikum. Geschrei war da programmiert.

Ärzte-Fans sind lange keine 18-jährige Dorfpunks mehr. In Göttingen jubelte der Teenager neben dem Mittvierziger, der Mittelscheitel neben dem Irokesen. Nach drei Zugaben verabschiedete sich die selbst ernannte „beste Band der Welt“ mit „ihrem wohl wichtigsten Hit“: der Anti-Rechts-Hymne „Schrei nach Liebe“.

Von Verena Schulz

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