Die Puhdys hören auf - Interview mit der erfolgreichen Ostband

Schon 1984 sangen die Puhdys „Es ist keine Ente, wir spielen bis zur Rockerrente“. Nun gehen die Puhdys, die mit City und Karat zu den erfolgreichsten Bands der DDR zählen, tatsächlich in Rente. Ende 2015 soll Schluss sein.

Davor spielt das Berliner Quintett am 15. Juli jedoch beim Vellmarer Festival Sommer im Park. Wir telefonierten mit Keyboarder Peter „Eingehängt“ Meyer (74).

Peter Meyer: Eingehängt.

Hallo, wir waren zum Interview verabredet. Wieso melden Sie sich mit Ihrem Spitznamen, Herr Meyer? 

Meyer: Das mache ich schon ewig. Meine Freunde wissen das. Alle anderen legen auf, rufen aber sowieso wieder an.

Sehr lustig. Bald legen die Puhyds den Telefonhörer für immer auf. Im Dezember 2015 werden Sie in der Berliner O2-Arena Ihr letztes Konzert geben. Wie wehmütig sind Sie schon? 

Meyer: Bis dahin sind es noch anderthalb Jahre. Wir haben also Zeit, noch trauriger zu werden. Dass wir nun einen Schlussstrich ziehen, hat natürlich mit unserem Alter zu tun. Wenn man 74 ist, wird das Touren nicht einfacher.

Dabei wollten Sie so lange weitermachen, bis Sie mit den Rolling Stones aufgetreten sind. 

Meyer: Das kann ja noch passieren. Vielleicht nehmen die Stones uns auf ihrer Welt-Tournee mit nach China. Wir haben nur Angst, dass sie vorher schlapp machen.

Eigentlich hatten Sie sich schon kurz vor der Wende getrennt. 

Meyer: Wir haben es wirklich ernst gemeint, als wir uns 1988 aufgelöst haben. Wir hatten in 20 Jahren 15 Millionen Platten verkauft und 20 Länder bereist. Alles drehte sich im Kreis. Plötzlich kam die Wende. Die Leute fragten uns: „Wieso hört ihr auf?“ Wir hatten ja Westerfahrung. Im Nachhinein war es richtig weiterzumachen.

Zu DDR-Zeiten waren Sie eine der wenigen Ost-Bands, die auch im Ausland auftreten durfte. Zu Beginn Ihrer Karriere hatte der Staat 1970 aber ein Auftrittsverbot für die Band verhängt. Was war passiert? 

Meyer: Damals haben wir noch ausschließlich Cover-Versionen von Bands wie Uriah Heep gespielt. Irgendwann gab es Ärger wegen der Lautstärke und der langen Haare. Aber das hat sich irgendwie geregelt. Als wir 1973 in Heiner Carows Film „Die Legende von Paul und Paula“ mitgemacht haben, war es ohnehin einfacher. Plötzlich kannte uns jeder.

Sie waren Mitglied im Komitee für Unterhaltungskunst und haben sich dort auch für andere Bands eingesetzt. Wie viel Kompromisse mussten Sie machen? 

Meyer: Es gab bestimmte Tabus in der DDR. Texte über die Mauer beispielsweise konnte man nicht machen. Wer es doch gemacht hat, ist rausgeflogen - wie Klaus Renft. Alle mussten Kompromisse machen und sich anpassen. Auch diejenigen, die heute als Revolutionäre gelten. In diesem System sind wir ganz gut über die Runden gekommen.

Sie haben nie Auftragswerke für das Regime geschrieben. 

Meyer: Nein. Nur manchmal musste in den Texten etwas geändert werden. Einmal haben wir über einen schwulen Liedermacher gesungen, daraus wurde dann ein Außenseiter. Die 350 Lieder, die wir seit 1969 geschrieben haben, können wir auch heute noch mit gutem Gewissen spielen.

Es gibt auch eine Stasi-Akte über Sie. Haben Sie da ebenfalls ein reines Gewissen? 

Meyer: Ja, irgendeine Kaderakte gibt es ja über jeden. Irgendwann tauchten Gerüchte auf, ich sei Inoffizieller Mitarbeiter gewesen. Aber das stimmt nicht. Zuletzt hat das Magazin „Rolling Stone“ eine Geschichte über die Musikszene und die Stasi gebracht. Die haben in allen Bands gesucht. Es kam heraus, dass es in fast jeder Gruppe einen Stasi-Mitarbeiter gab. Bei uns hat man nichts gefunden. Ich habe ein völlig reines Gewissen.

Zur Band

Mitglieder: (hinten von links) Peter „Eingehängt“ Meyer (74, Keyboard), Dieter „Maschine“ Birr (70, Gesang), Dieter „Quaster“ Hertrampf (73, Gitarre, Gesang) sowie (vorn von links) Klaus Schwarfschwerdt (60, Schlagzeug) und Peter „Bimbo“ Rasym (60, Bass). Gegründet: 1969 Größte Hits: „Wenn ein Mensch lebt“ (1973), „Alt wie ein Baum“ (1977), „He, John“ (1981) Aktuelle CD: „Heilige Nächte“ Privates: Bevor Peter Meyer Musiker wurde, war er Lehrer. Der zweifache Familienvater wohnt in Berlin-Rahnsdorf am Müggelsee. Sohn Hendrik Röder ist Bassist der Pop-Band Bell, Book & Candle. Sonstiges: Die Puhdys haben Hymnen für die Fußball-Clubs Hansa Rostock, Union Berlin und SC Paderborn sowie die Eisbären Berlin geschrieben. Foto: nh

Das Festival Sommer im Park

8. Juli: „Der Mustergatte“ (Seniorentheater mit Roberto Blanco. Vorpremiere)

9. Juli: Musikverein Vellmar (Vorpremiere)

10. Juli: Martina Schwarzmann (Kabarett)

11. Juli: Mirja Boes (Comedy)

12. Juli: Tic Theater Kassel (Best of Tic 2014)

13. Juli: Thommie Bayer (Matinee-Lesung)

13. Juli: Zirkus Rambazotti

14. Juli: Absolventenshow der Artistenschule Berlin

15. Juli: Puhdys

16. Juli: Füenf (A-cappella)

17. Juli: Bosse (Pop)

18. Juli: Axel Prahl und das Inselorchester (Folk-Chansons)

19. Juli: Badesalz (Comedy)

20. Juli: Konstantin Wecker & Band (Liedermacher)

21. Juli: Anna Depenbusch (Pop)

22. Juli: Klüpfel/Kobr (Lesung)

23. Juli: Django Asül (Kabarett)

24. Juli: Thorsten Havener (Gedankenleser)

25. Juli: Eure Mütter (Comedy)

26. Juli: Dark Vatter (nordhessischer Rock’n’Roll)

27. Juli: Vox North (A-cappella)

Theaterzelt in der Brüder-Grimm-Straße, Vellmar. HNA-Kartenservice, 0561/203-204,

www.piazza.ddticket.de

Von Matthias Lohr

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