Vom Punk zum Liedermacher: Matze Rossi

Raue Stimme, sanfte Songs: Der Schweinfurter Sänger Matze Rossi spielt am 10. April im Kulturhaus Dock 4. Foto: Breckle

Matze Rossi aus Schweinfurt ist nicht nur Musiker, sondern auch Label-Betreiber, Sozialpädagoge und Yogalehrer. Auf seinem neuen Album singt er davon, wie man glücklich werden kann.

Kassel. Man weiß nicht, ob es eine gute Entscheidung war, dass sich der Schweinfurter Musiker Matthias Nürnberger als Solokünstler Matze Rossi genannt hat. Zuletzt hieß er sogar noch Senore Matze Rossi, was nach einem Karnevalisten in der Bütt klingt. In Wirklichkeit macht der Ex-Sänger der Punkband Tagtraum melancholischen Emo-Singer-Songwriter-Schrammel-Folk. Sein neues Album „Ich fange Feuer“ erinnert an Nick Drake, die frühen Tocotronic und Peter Licht. Wir sprachen mit dem 39-Jährigen, der am 10. April im Dock 4 auftritt.

Auf Ihrem vorigen Album haben Sie gesungen: „Ich bin nicht so gut in all den Sachen, die die vernünftigen Menschen so machen.“ Wie vernünftig ist es, mit Ende 30 und als dreifacher Familienvater noch einmal alles auf die Musik zu setzen, wie Sie es jetzt tun?

Matze Rossi: Es ist auf jeden Fall gut, seinem Herz zu folgen und die Dinge zu tun, die einem wichtig sind. In den vergangenen Jahren sind einige Freunde von mir schwer krank geworden oder sogar gestorben. Da wird einem bewusst, wie kurz das Leben doch ist. Es ist besser, ein glückliches Leben zu führen, das auch mal turbulent und schwierig ist, anstatt Dingen nachzulaufen, bei denen man das Gefühl hat, dass sie nicht richtig sind. Zugleich muss man natürlich auch seiner Verantwortung gerecht werden, die man etwa für seine Familie trägt.

Das live mit Band aufgenommene Album „Ich fange Feuer” hat eine große Dynamik. Feuer ist angeblich das Element, das am meisten in Ihnen steckt. Sind Sie ein Hitzkopf?

Rossi: Das war ich früher auch, habe es aber durch Yoga in den Griff bekommen. Feuer bedeutet für mich vor allem, dass man für etwas brennt - etwa mit Ende 30 sein Leben noch einmal neu auszurichten.

Bei Feuer fällt einem gleich Neil Young und sein von Nirvana-Sänger Kurt Cobain zitierter Satz ein: „It’s better to burn out than to fade away“. Wie groß ist die Gefahr, dass Sie ausbrennen?

Rossi: Das betrifft alle in meiner Generation. Man hat zahlreiche Baustellen, viele Dinge passieren gleichzeitig - auch wegen des Internets. Da wird einem das Zitat von Neil Young noch präsenter. Übrigens haben wir genau das auch bei der Auflösung meiner Band Tagtraum geschrieben: dass es besser ist, hell und schnell zu verbrennen, als langsam zu verschwinden.

In „Zieh meine Träume durch den Dreck“ rechnen Sie mit Bausparern und den vermeintlich vernünftigen Menschen ab. Kann man nicht auch als Punk im Reihenhaus wohnen?

Rossi: Das kann man auch. Ich habe aber an etwas anderes gedacht, als ich Zeilen geschrieben habe wie: „In deinen Augen bin ich doch nur kindisch und naiv - weil ich mir die Freiheit nehme, die dir deine Visacard niemals gibt.“ In dem Song geht es darum, dass es nichts mit Geld zu tun hat, ob man seinen Träumen folgt. Man sollte eher einfach machen, anstatt zu überlegen, ob das überhaupt möglich ist. Ich gehe immer erst einen Schritt und denke dann.

Was bedeutet Punk für Sie heute?

Rossi: Punk bedeutet für mich wie früher, seinem Ding nachzugehen. Die Do-it-yourself-Philosophie ist weiterhin prägend für mich.

Sie haben drei Kinder, ein eigenes Label, noch eine zweite Band, arbeiten als Dozent an einer Fachakademie für Sozialpädagogik und Yogalehrer. Wie kriegen Sie das alles unter einen Hut?

Rossi: Sehr schwer. Mein Tagesablauf ist stark strukturiert und hat nur noch wenig mit Punk zu tun. Es ist ein täglicher Spagat.

Matze Rossi: Ich fange Feuer (End Hits Rec.). Wertung: vier von fünf Sternen

Matze Rossi: 10. April, 20.30 Uhr, Kasseler Kulturhaus Dock 4, Untere Karlsstraße 4. 14. Mai: Hofbühne in Göttingen.

Zur Person

Geboren: am 19. März 1977 in Schweinfurt als Matthias Nürnberger

Beruf: Musiker, Betreiber einer Plattenfirma, Sozialpädagoge und Yogalehrer

Karriere: Rossi wurde als Sänger und Gitarrist der Punkband Tagtraum bekannt. Sein erstes Solo- Album erschien 2004. Daneben hat er zahlreiche weitere Musikprojekte.

Der Name: „Den habe ich mir nicht ausgesucht“, sagt Nürnberger. Ein Freund nannte ihn so nach der italienischen Trickserie „Herr Rossi“, der das Glück sucht.

Privates: Der Vater dreier Kinder lebt mit seiner Familie in seiner Heimatstadt.

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