Greg Graffin (Bad Religion) ist einer der Stars beim Open Flair

Der Punk-Professor

Drei Dekaden ist es jetzt her, da gehörte ein 15-jähriger Schüler aus Los Angeles namens Greg Graffin zu den Gründern der Punkrock-Band Bad Religion. Heute ist Graffin 45, Professor für Evolutionsbiologie an der Universität von Kalifornien und singt immer noch bei Bad Religion. Am kommenden Sonntag spielt die Band beim Eschweger Open-Flair-Festival.

Optisch sind Sie weit von dem entfernt, was man mit einem Punk verbindet. Welche Beziehung haben Sie zu Ihrem Publikum, das meist jünger ist?

Greg Graffin: Ich würde wohl nicht zum direkten Freundeskreis eines Bad-Religion-Fans gehören. Für mich fühlt sich die Beziehung so an, als wäre ein Konzert eine Vorlesung, und die Fans wären meine Studenten. Wenn sie, neben dem Spaß, den sie haben sollen, dann auch noch lernen, dass der alte Kerl da oben auf der Bühne in ihrem Alter genau so ein Punk war wie sie, dass er jetzt Punk und Professor ist und dass sie es genau so weit bringen können, dann ist das Ziel der Vorlesung erreicht.

Wie denkt ein Punk?

Graffin: Er hinterfragt. Er hört nicht auf zu lesen, zu schreiben und nachzudenken. Das haben Punk und die Wissenschaft gemeinsam. Für viele Menschen mag es verrückt erscheinen, dass ein Punkrocker auch gleichzeitig Wissenschaftler sein kann. In meinem neuen Buch „Anarchy Evolution“ berichte ich, dass Wissenschaft und Punk eine sehr homogene Einheit sein können.

Das müssen Sie erklären.

Graffin: In den Köpfen der Leute passen die beiden Seiten meist nicht zusammen. Bis ich ihnen erkläre, dass sich die Wissenschaft nie weiterentwickeln könnte, wenn nicht die Breitschaft da wäre, alte Paradigmen einzureißen. Für mich gehört es zur Grundeinstellung des Punk, dass du Autoritäten hinterfragen solltest. Du musst das Etablierte herausfordern, sonst erzielst du keinen Fortschritt.

Wie oft mussten Sie sich schon für das Band-Logo mit dem durchgestrichenen Kreuz rechtfertigen?

Graffin: Das ist ein populäres Thema. Ich sage immer: Du kannst ein Buch nicht anhand des Umschlags beurteilen. Aufgrund des Logos glauben viele Menschen, dass wir voller Wut sind und Christen hassen. Das stimmt nicht. Wir wollen Aufmerksamkeit erregen. Genau das macht ein gutes Logo aus. Das mache ich in meinen Evolutions-Vorlesungen auch so. Ich fange mit der Aussage an, dass das Leben keinen Sinn hat. Dann sind die Studenten geschockt und hören mir zu.

Open Flair, Eschwege, 12. bis 15. August: mit Jan Delay, The Hives, Fettes Brot, Bela B, Bad Religion, Wir sind Helden, Madsen, The Gaslight Anthem und vielen anderen. Das Festival ist bereits ausverkauft. www.open-flair.de

Von Guido Janssen

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