Der Punk ist tot, es lebe der Punk

Punkrocker: Die Sex Pistols mit Sid Vicious am Bass (von links), Drummer Paul Cook, Sänger Johnny Rotten (sitzend) und Leadgitarrist Steve Jones. Fotos: nh

40 Jahre „Anarchy In The UK“: Sieben Gründe, warum etwas mehr von der Protest-Haltung der Welt guttäte

Kaum erschienen, wurde sie schon wieder eingestampft: Heute vor 40 Jahren setzte die Punkband The Sex Pistols mit ihrer Single „Anarchy In The UK“ ein krachig-donnerndes Signal, das über die Jahrzehnte nachhallt. Der Song der Skandalband sagte voraus, dass Großbritannien der Anarchie verfallen werde, und zelebrierte ein akustisches Chaos. Sie waren nicht die ersten Punks, die Sex Pistols bescherten dem Punk aber seine erste Hymne. Am heutigen Jahrestag will Joe Corré, der Sohn von Sex-Pistols-Mastermind Malcolm MacLaren und Modedesignerin Vivienne Westwood, seine wertvolle Punk-Sammlung verbrennen - und sie so der Vereinnahmung durch die Sammlerwelt entziehen. Sie ist nach seinen Angaben fünf Millionen Pfund wert. Sieben Gründe, warum ein bisschen mehr von dieser echten Punk-Haltung der Welt guttäte.

1. Selbstgemacht ist „in“

Die Generation YouTube schreibt sich die Devise „Broadcast yourself“ (Übertrage dich selbst) auf die Fahnen und ist megastolz auf ihre internet-demokratische Mitmachkultur, die jedem ermögliche, berühmt zu werden. Alter Hut, sagen Punks. Schon 1976 haben die Sex Pistols vorgemacht, dass zwei bis drei Akkorde und eine lediglich ungefähre Ahnung, wie man eine Gitarre zu halten hat, reichen, um Musiker zu sein.

2. Einstellung

Punk ist mehr als nur Musik - es ist eine rebellische Lebenseinstellung. Etwas mehr von dieser so gar nicht gesellschaftskonformen Haltung, vom Muckertum und dem bewussten Dilettantismus würde der heutigen Mainstream- und Perfektionismus-Gesellschaft gut tun.

3. Aufbruch

Die Wut auf Mainstream-Musik und auch auf Gesellschaft entlud sich vor allem bei den Konzerten. Punkmusik stand in der „No future“-Zeit auch für eine Aufbruchstimmung. Und diese machte sich bald schon fast überall auf der Welt breit. Doch wurde die Musik dadurch auch zur Mode, und viele Bands waren schnell das, was sie nie sein wollten: gewöhnlich statt besonders. Bitte wieder mehr einfache, kompromisslose, energiegeladene Musik, statt langweiligem Geschwurbel.

4. Pogo

Ab und zu ist es einfach gesundheits- und launefördernd, heftig Pogo zu tanzen. Brillen bitte vorher beiseite- und Kopfschmerztabletten bereitlegen.

5. Gegen die Weichspülmode

Seit Jahren sind noch auf den biedersten Stiefeln und Gürteln Nieten aufgebracht und sollen Gefährlichkeit simulieren. Noch das harmloseste Ausgehjäckchen kommt daher wie aus dem Rockstarbedarf. Netter Versuch. Zeit für eine echte Moderevolte. Vivienne Westwood, bitte übernehmen Sie.

6. Bunte Haare

Hochgestylte, bunte Haare. Was heute Fußballer und Blogger wie Sascha Lobo auf dem Kopf tragen, war Anfang der 70er-Jahre den Punks vorbehalten. Heute schockieren rote oder grüne Haare kaum noch. Es braucht neue Abwechslung auf (und auch in) den Köpfen.

7. Es lebe der Punk

Als Peer Steinbrück 2013 als SPD-Kanzlerkandidat in einem Interview den Mittelfinger (Stinkefinger) zeigte, war das Punk. Und der Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner spielte früher in einer Punk-Band. Auch in der Politik sollte es mehr Punk statt Rüschenblusen geben.

Von Maja Yüce und Bettina Fraschke

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