Der mit Puppen streitet

Bauchredner Benjamin Tomkins begeistert in Kassel

Der Puppenflüsterer: Benjamin Tomkins im Theaterstübchen. Foto: Malmus

Kassel. Bombastische Licht-Shows, aufgemotzte Kulissen? Unnötig. Wie wunderbar kann dieser Benjamin Tomkins unterhalten, indem er einfach ein paar Puppen sprechen lässt – oder glauben macht, sie könnten es. Ein Bravo für den „Puppenflüsterer“, der am Donnerstag das Publikum im proppenvollen Theaterstübchen entzückte.

Und das mit einer Show, bei der zwar Puppen die Höhepunkte markierten, der in Kiel aufgewachsene ehemalige Weltenbummler aber auch als Comedykünstler und musikalischer Spaßmacher am Klavier überzeugte. Zum Auftakt erst mal etwas Konversation mit dem Publikum - die Puppen warten noch im großen schwarzen Kasten neben dem Mikro: „Meine Mutter behandelte Humor immer wie Bargeld und mein Vater meinte, darum kümmert sich meine Frau.“

Es folgen weitere Kalauer und ein „Klaviersatz für meine Mutter, gegen ihre Flugangst“. Das Publikum hat sich rasch warm gelacht und ist bereit für den ersten Höhepunkt: eine Stoffpuppe, die man für einen kleinen verschrumpelten Elefanten halten könnte, aber eine Fliege sein soll. Köstlich witzige Dialoge folgen, Neckereien - nicht das leiseste Zucken ist auf Tomkins Lippen zu erkennen.

Noch witziger sein Schlagabtausch mit einem Unikum, das wie ein Kartoffelsack aussieht und einen ganz speziellen Charme versprüht: grantig, angriffslustig, cholerisch. Ein Charakter Marke Kotzbrocken. Sticheleien wie bei einem alten zänkischen Ehepaar: „So, so, deine Füße sind eingeschlafen“, wiederholt das Sackmonster und schiebt hinterher: „Ich dachte, die sind tot, so wie die riechen.“

Zwischendurch lässt der 49-Jährige die Gedanken eines Fisches hörbar schweifen – „Ach, ist das langweilig in diesem Glas“ – oder kalauert über seine Erlebnisse bei einem Weinseminar: „Ich war noch nie so teuer nüchtern.“

Zum Finale: „Henriette, Schildkröte, 120 Jahre alt.“ Erst süß und schüchtern, dann frech und angriffslustig beim Rechnen mit einem „fiktiven Salatkopf“. Kollektives Entzücken im Theatrstübchen. Riesenapplaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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