Show „Pfoten hoch!" im Kulturzelt Wolfhagen

Puppenspieler Martin Reinl: "Hier darf man Kind sein"

Von wegen Kindertheater: Mit seinen Puppen bringt Martin Reinl Erwachsene zum Lachen. Am 21. Juni gastiert seine Puppen-Impro-Show „Pfoten hoch!" im Kulturzelt Wolfhagen.

Wie geht es dem depressiven Tofu, den Sie auf der Bühne Körperteil für Körperteil in einen Kochtopf legen, weil er unbedingt gegessen werden will? 

Martin Reinl: Er ist wohlauf - zumindest bis auch bei uns die Grillsaison eröffnet wird. Ich bin schon vor einigen Jahren Vegetarier geworden, als es noch nicht Trend war, und wollte das Thema aus einem anderen Blickwinkel und ohne erhobenen Zeigefinger behandeln. Trotzdem kommen nach Vorstellungen manchmal Besucher zu mir und sagen, die Nummer sei barbarisch.

Ich finde sie köstlich. Puppen hat man hierzulande jahrelang nur in der „Sesamstraße“ gesehen. Wie kommt es, dass Sie, Sascha Grammel und René Marik nun große Hallen füllen? 

Reinl: Weil man bei uns noch einmal Kind sein darf. Das Puppenspiel hat eine lange Tradition - etwa in der Oper. Trotzdem galt es in Deutschland bis vor ein paar Jahren als antiquiertes Genre. Wir schubsen es mit Comedy-Elementen nun in eine neue Richtung. Bei manchen ist die erste Assoziation bei Puppen trotzdem das Kindertheater. Dabei ist das, was wir machen, nicht immer kinderfreundlich.

Sie haben sich zunächst als normaler Stand-up-Comedian ausprobiert. Kann man mit Puppen andere Witze erzählen? 

Reinl: Man hat eine ganz andere Bandbreite. Ich habe auch gern Comedy gemacht, aber schnell gemerkt, dass ich nur Durchschnitt war und es viele Leute gibt, die das besser können. Nun kann ich in 1000 verschiedene Rollen schlüpfen, von der Handtasche bis zum Spaghettiteller, und mir absurde Welten ausdenken.

Wie reagieren Prominente, wenn Sie sie mit Ihren Puppen in der WDR-Sendung „Zimmer frei“ anpöbeln? 

Reinl: Eigentlich ganz gut, den meisten gefällt es. Wir schauen vorher, auf welchen Promi wir die Puppen loslassen können. Das kann nicht jeder. Man braucht Fantasie und eine gewisse Spielfreude. Einige sind zu rational, die sind für Puppen verloren. Aber das ist auch nicht schlimm. Entweder man hat Spaß daran oder nicht.

Stimmt es, dass Sie als Kind stundenlang vor dem Fernseher saßen, wenn Sie Stubenarrest hatten? 

Reinl: Nein, aber Stubenarrest wäre das Beste gewesen, was mir hätte passieren können. Ich habe mich freiwillig stundenlang vor den Fernseher gesetzt. „Muppet Show“ und „Sesamstraße“ sind schuld an dem, was ich jetzt mache. Noch heute bin ich ein Höhlentier, das es tagelang in der Wohnung aushält.

Außerdem haben Sie Teddybären aufgeschlitzt. Hatten Sie eine glückliche Kindheit? 

Reinl: Ja, ich wollte mit denen ja nur spielen - als Handpuppen. Heute habe ich um die 300 Puppen. Die bestehen aus so ziemlich allem. Beim Puppenbau kann man sehr kreativ sein. Aus Schwammlappen kann man Zungen basteln, Türstopper eignen sich als Augen. Die Verkäufer im Baumarkt haben sehr komisch geguckt, als ich mit 100 Türstoppern zur Kasse kam. Nicht einmal die größte Villa hat so viele Türen.

Vor einigen Jahren durften Sie die Werkstätten Ihres Idols Jim Henson besuchen, des Erfinders der „Muppet Show“. Das muss für Sie gewesen sein, als hätten Sie Gott zu Hause besucht.

Reinl: So war es tatsächlich. Es sah genauso aus wie bei mir, nur in größeren Dimensionen. Als ich dort war, sagte ich zu den Mitarbeitern: „Ihr könnt mich jetzt erschießen. Ich werde lachend sterben. Was soll jetzt noch kommen?“

Zur Person

Geboren: am 15. Oktober 1975 in Mainz

Ausbildung: Studium Audiovisuelle Medien an der Kölner Kunsthochschule, Köln Comedy Schule

Karriere: Nach ersten Auftritten als Comedian 1996 stand Reinl zwei Jahre später zum ersten Mal mit seinem Handpuppenhund Wiwaldi auf der Bühne. Seither zahlreiche TV-Auftritte (etwa „Zimmer frei!“ und „Die Oliver Pocher Show“) sowie eine Grimme-Preis-Nominierung.

Privates: Reinl ist Single und lebt in Köln.

Kulturzelt Wolfhagen

19. Juni: Axel Prahl

20. Juni: Bernd Stelter (bereits ausverkauft)

21. Juni: Martin Reinl und Carsten Haffke - „Pfoten hoch!“, Die Puppen-Impro-Show

22. Juni: Konstantin Wecker

23. Juni: Rolf Miller

24. Juni: Ingo Appelt

25. Juni: Hagen Rether

26. Juni: Laith Al-Deen

27. Juni: Dark Vatter

Beginn: jeweils 20 Uhr im Zelt im Wolfhager Stadtpark Teichwiesen. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

www.kulturzelt.de

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