Auftritt im Theaterstübchen

Mehr als nur Protest: Pussy Riot kommen Ende Januar nach Kassel

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Punk und Politik: Dafür stehen die Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot.

Mit ihren spektakulären Aktionen gegen Justizwillkür und Korruption hat die Band Pussy Riot weltweit Bekanntheit erlangt. Ende Januar kommen sie nach Kassel.

„Es ist das Original!“ – diese Antwort hat Markus Knierim, Chef des Kasseler Theaterstübchens, bereits unzählige Male Gästen gegeben, um zu bestätigen, dass tatsächlich das russische Protestkunst-Kollektiv Pussy Riot am Sonntag, 27. Januar, in seinem Club auftreten wird.

Mit ihren spektakulären Aktionen gegen Justizwillkür und Korruption ist die Gruppe weltweit bekannt geworden: Ihre Erstürmung der Christus-Erlöser-Kathedrale in Moskau 2012 sorgte für viel Wirbel. Prozess, Gefängnis und Straflager folgten für drei der Mitglieder. Zuletzt gab es einen mutmaßlichen Giftanschlag auf Aktivist Pjotr Wersilow. Der war mit drei anderen Mitgliedern der Gruppe beim WM-Finale Mitte Juli in Moskau als Polizisten verkleidet auf das Fußballfeld gestürmt, um so gegen die Polizeigewalt in Russland ein Zeichen zu setzen. Längst haben Pussy Riot bekannte Fans – Popstars wie Madonna und Sting.

Doch: Pussy Riot steht nicht nur für puren Protest, sie vermengen ihr rebellisches Image mit viel künstlerischem Können. Tänzeln zwischen den Genres – Video, Lyrik, Literatur, Theater, Tanz und Musik. Punk und Politik, Kunst und Protest – ihr liebster Gegner ist Russlands Präsident Putin.

Die Aktivistinnen Jekaterina Samuzewitsch, Maria Alyokhina, die jetzt nach Kassel kommt, und Nadeschda Tolokonnikowa 2012 in einem Gerichtssaal.

Sie setzen sich auch für sexuelle Minderheiten, Menschenrechte und für Feminismus ein. Letzteres ist ein Grund, warum die Frauen bei ihren Guerilla-Aktionen oft bunte Sturmhauben tragen. Sie wollen sich so gegen die Vermarktung des weiblichen Gesichts wehren. Riot bedeutet so viel wie Aufruhr, Revolte. Besser kann man die Gruppe und ihre oft unangekündigten und selten legalen Aktionen nicht beschreiben.

Doch braucht Pussy Riot Platz, die üblicherweise die große Bühne bespielen. Jetzt also mit kleiner Besetzung im eher kleinen Kasseler Club – es kommen vier Mitglieder des bis zu elfköpfigen Kollektivs. Neben Dramatikerin und Darstellerin Maria Alyokhina, die zwei Jahre in einem russischen Straflager absaß und zu den Gründungsmitgliedern gehört, sind Kiryl Masheka (Sänger/Darsteller), Nastya Awott (Saxofon/Sängerin/Darstellerin) und Maxim Awott (Keyboarder/Schlagzeuger) dabei.

Was das Publikum erwartet? Darauf hat Markus Knierim keine klare Antwort. „Punk-Jazz“, sagt er. Und, dass die Band ihr Publikum schon mal mit Wasser bespritzt. Um zu provozieren und ein bewusstes Verhalten einzufordern. Die Performance „Riot Days“ ist laut Ankündigung eine Art konzertante Video-Performance. Sie basiert auf der Buchvorlage von Alyokhina. Darin geht es um die russische Widerstandsgeschichte und sie verarbeitet ihre persönliche Erfahrung aus der Gefangenschaft. Davon will sie in Kassel erzählen – und die Band schreit mit ihrer Punkmusik, die anspruchsvoll ist und deutlich mehr als drei Akkorde zu bieten hat, das Motto der ersten Deutschlandtour hinaus: „Es gibt keine Freiheit, wenn man nicht täglich für sie kämpft.“

Und so wird der Kasseler Clubchef bis zum 27. Januar nicht müde zu betonen: „Es ist das Original. Lassen wir uns von ihnen überraschen.“

Termin: 27.1., 19.30 Uhr, Pussy Riot, Theaterstübchen, Jordanstr. 11, Kassel. Karten: 0561/203204.

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