Neues Video: Pussy Riot provozieren wieder

Dieses Lächeln täuscht: Nadeschda Tolokonnikowa als Staatsanwältin im Video „Chaika“. Screenshot: nh

Es ist eine Attacke auf Gier und Gewalt: Die Aktivistin Nadeschda Tolokonnikowa der Anarcho-Gruppe Pussy Riot hat ein neues Video veröffentlicht.

Liebreizend und verführerisch lächelt Nadeschda Tolokonnikowa in ihrer Uniform, sexy in roten High Heels und Netzstrümpfen, mit geschminkten Lippen und Hochsteckfrisur. „Sei demütig, lind und zahm“, rappt die Aktivistin der feministischen Anarcho-Punkband Pussy Riot auf einmal ganz brav: „Ich liebe Russland, ich bin Patriot.“

Das Pussy-Riot-Video „Chaika“ ist aber keine Sinnestäuschung. Die kremlkritische Tolokonnikowa, die nach einem provozierenden 41-Sekunden-„Punk-Gebet“ mit Woll-Sturmhauben in der Moskauer Christus-Erlöser-Kathedrale mit zwei Mitstreiterinnen 2012 in Lagerhaft kam, ist nicht eingeknickt. Die viereinhalb Minuten sind bitter ironisch. Ein Frontalangriff auf das Russland des Präsidenten Wladimir Putin.

Dafür stehen Handschellen, Fesseln, Peitsche, Eisenstange sowie Folterszenen: Menschen mit Tüten über dem Kopf, die mit Wasser begossen, geschlagen und an Stricken aufgehängt werden, wozu fesch uniformierte junge Frauen zur eingängigen Melodie fröhlich tanzen. Tolokonnikowa singt – „Spiegel Online“ hat die Übersetzung veröffentlicht – Zeilen wie „An meinen Schulterstücken ein weiterer Stern, auf seinem Hals die Strangulationsmarke“ oder „Schmiergeld nehmen, töten und stehlen“.

Tolokonnikowa ist in die Rolle des Generalstaatsanwalts Jurij Tschaika geschlüpft, „Tschaika“ (Möwe) lautet auch der Titel: „Es ist eine Anleitung, wie man Gelder veruntreut, Unternehmen ausraubt und Rivalen ins Gefängnis schickt oder körperlich ausschaltet“, sagte die 26-Jährige dem Magazin „Vice“. Oppositionsführer und Blogger Alexej Nawalny hatte im Dezember schwere Korruptionsvorwürfe gegen Tschaika erhoben. Seine Söhne sollen sich mittels der väterlichen Netzwerke und Mafiamethoden bereichert haben. Der ältere soll sich eine Werft im sibirischen Irkutsk angeeignet haben – der ehemalige Direktor wurde ermordet aufgefunden. Der jüngere, erst 27, habe es dank Staatsaufträgen zum Multimillionär gebracht. Von einem griechischen Luxushotel und Schweizer Villen ist die Rede. Ex-Justizminister Tschaika, seit 2006 im Amt, spricht von einer Verschwörung westlicher Geheimdienste.

Das Video mit den tanzenden, folternden und gierig fressenden Staatsanwältinnen handelt also von Vetternwirtschaft, Mordkomplotten, Maßlosigkeit und Scheinheiligkeit, aber auch von den „potthässlichen ästhetischen Entscheidungen unserer Regierungsvertreter“, wie Tolokonnikowa sagt. Etwa dem Drang, alles zu vergolden, „um den fauligen Kern darunter zu verbergen“. Am Ende räkelt sie sich lasziv vor einem Ölgemälde Putins und beißt in einen vergoldeten Brotlaib, wie man ihn in der Villa des aus der Ukraine geflüchteten Präsidenten Viktor Janukowitsch fand. Er soll Putin daran erinnern, „dass nichts ewig besteht“.

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