"Pussy Terror": Bei Carolin Kebekus geht’s zur Sache

Ganz zahm: Kebekus beherrscht auch leise Töne.

Baunatal. Wenn die noch so ’ne Stunde Dampf ablässt“, dann, befürchtete eine Besucherin in der Pause von Carolin Kebekus’ fulminantem Auftritt in der Baunataler Stadthalle, „sind wir am Ende platt“. Ihre Sorge war nicht unbegründet.

Irrwitzig, welches Trommelfeuer Kebekus am Dienstag auf die 600 jubelnden Besucher losließ. Bis vor Lachen Muskeln schmerzten und Tränen liefen. Und vor allem, was die 32-Jährige leistete: an Konzentration, Stimmeinsatz, Stimmungswechseln, mit Gebrüll, Gesang und auch leisen Tönen.

Carolin Kebekus ist nichts für übermäßig feinfühlige Gemüter. Der Titel ihres Programms „Pussy Terror“ ist kein Scherz, bei ihr geht es zur Sache. Vieles wäre hier nicht zitierfähig. Ihre Beobachtungen aber sind oft sehr treffend, ihre Späße haben etwas Befreiendes.

Kebekus gibt die freche, selbstbewusste Göre aus dem Ghetto, die sich nicht unterkriegen lässt: „Mushido“, „John Waynes Tochter“. Die schon als Kind im Spielzeugladen brüllte: „Gib mir das Ponyhaus, du Bastard.“ Bloß nichts Heimelig-Gefühliges, mit Wellness-Tagen und so. „Warum soll ich Prosecco trinken, wenn ich Bier trinken kann?“ Dazu ein schönes Mettbrötchen. Minutenlang malt sie dessen Genuss aus. „Ein Typ, der Veganer ist, dem ist doch der Pimmel abgefallen.“

Die Brüderle-Debatte kommentiert Kebekus mit „Da hat’s Opa im Schritt gejuckt und er hat ’ner Tante ’nen Tittenspruch aufgedrückt“. Na und? Kann man mit umgehen. Muss er eben mit leben, einen „Schwanzspruch“ abzukriegen.

Ganz wild: Zu Beginn schmetterte Carolin Kebekus einen Song à la Lady „Bitch“ Ray. Fotos:  Fischer

Schlimmer ist, wie das Fernsehen - gemacht „von, für und mit Asozialen“ - abstumpft, Frauenbilder auf mittelalterliche Vorstellungen festlegt. Dieter Bohlen, wie er Minderjährige betrachtet, „ein ekelhaftes Stück Leder, das will man mit der Kneifzange anfassen“. Oder der „Bachelor“: „Da sind 200 Jahre Emanzipation in zehn Minuten vernichtet.“ Die hungernden Topmodels: „Ich schäme mich für meine Generation.“ „Ex-Frau“ könnte ein Ausbildungsweg sein an der Lothar-Matthäus-Berufsschule. Und überall nur Botox-Gesichter. Einzig auf Arte gebe es keine Plastikbrüste. In Dokus über Naturvölker: „Oh, die armen Frauen haben kein Silikon.“

Frauen, das ist Kebekus’ Botschaft, sollen sich nicht zum Opfer machen lassen. Im Saal sind grüppchenweise „Menschen mit Menstruationshintergrund“, wie sie sagt, die sich ausschütten über die Schilderung der Pubertät, der ersten Periode („schließt eure Söhne weg, ich bin geschlechtsreif“), des Kaufs von Röhrenjeans („das Ende der Welt“) und des Kölner Karnevals als „innergaststättische Schlampenwanderung“. Ein klasse Auftritt.

Von Mark-Christian von Busse

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