Schüler in Bestform: Das Landesjugendsinfonieorchester Hessen zu Gast in Kassel

Putzmunterer Fluss, gewaltiges Meer

Kassel. Zwei- bis dreimal im Jahr nur treffen sich die Mitglieder des Landesjugendsinfonieorchesters (LJO) Hessen, das aus mehr als hundert Schülern besteht, zu ihren Arbeitsphasen. Nicht eben viel Zeit. Die Ergebnisse werden öffentlich vorgestellt, und in diesem Jahr fand das dritte von vier Konzerten am Donnerstagabend zugunsten Haitis in Kassel statt.

Mit einem anspruchsvollen Programm war das LJO ins Opernhaus gekommen. Bekanntes zu Beginn: Smetanas „Moldau“. Kein dickflüssiger, träger Strom, den Dirigent Daniel Huppert zum Fließen brachte, sondern ein putzmunteres Gewässer, jugendlich frisch und selbstbewusst. Das Orchester war vom Start an ebenso bei der Sache, setzte interessante Akzente, gestaltete und klebte nie an den Noten. Ein schöner Auftakt.

Nun brach mit zwei Werken die Zeit des jungen Geigers Oscar Bohórquez an. In Béla Bartóks erstem Violinkonzert blieb ihm keine Ruhepause. Wie ein endloser Faden zieht sich die Musik der Solovioline durch dieses zwischen Charme und Sprödigkeit changierende Werk. Als Bohórquez nach der Pause seine wertvolle Guadagnini-Geige ans Kinn setzte und in Maurice Ravels Rhapsodie „Tzigane“ die fiesesten Virtuositäten tief versunken und absolut sicher abspulte, schien den gut 300 Zuhörern das Bartók-Konzert wie eine einfache Etüde vorab. Großer und verdienter Beifall.

Zurück aufs Wasser. Claude Debussys Tondichtung „La Mer“, Inbegriff „impressionistischer“ Musik, stellt hohe Ansprüche. Mit staunenswerter Routine und selbstsicherem Ausmusizieren zeigte sich das große Orchester in Bestform. Daniel Huppert, der nur dieses Konzert dirigierte und den festen Dirigenten Nicolás Pasquet vertrat, konnte sich auf die jungen Musiker verlassen.

Auch hier zeigte sich eine gewisse Zurückhaltung, die der Durchsichtigkeit des Stück guttat. Erst gegen Ende forderte die Gewalt des Meeres ihren musikalischen Tribut, eine schöne Steigerung gelang. Flüssiges auch als Zugabe: die „Schöne, blaue Donau“ von Johann Strauß.

Von Johannes Mundry

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