Harald Martenstein las aus „Gefühlte Nähe“

Puzzle der Liebe

Harald Martenstein

Vellmar. „Gefühlte Nähe“, sein neuer Roman „in 23 Paaren“, sei der Versuch, archetypische Situationen des Liebeslebens zu erzählen, sagte „Zeit“- und „Tagesspiegel“-Kolumnist Harald Martenstein am Donnerstagabend bei seiner Lesung im vollen evangelischen Kirchenzentrum Vellmar - etwa: sich verlieben, streiten, versöhnen, einander betrügen, verlassen.

Der 57-Jährige, der an seinem Geburtstag mit einem kräftigen „Happy Birthday“ der 130 Besucher begrüßt wurde, erfand 23 Männerfiguren, schlüpfte in 23 Rollen. Ihre Gemeinsamkeit: eine Beziehung zu einer Frau, Ende der 50er-Jahre geboren, im Buch nur N. genannt, deren Leben anhand ihrer Männergeschichten erzählt wird. Wie bei einem Puzzlespiel, so Martenstein, habe er Liebessituationen und Typen kombiniert.

Was nach einer abstrakten, blutleeren Versuchsanordnung klingen mag, erwies sich als außerordentlich amüsantes Unterfangen - auch weil Martenstein sich in seine Figuren beim Schreiben nicht nur „hinein imaginierte“, bis sie mit ihm verschmolzen, wie er sagte. Er gab den jeweiligen Charakteren bei seinem souveränen Lesen individuellen Ausdruck - dem selbstgefälligen alten Schauspieler wie dem Manager, für den Liebe eine Kapitalanlage unter vielen ist, mit durchaus berechenbaren Gewinnerwartungen.

Martenstein hatte drei Abschnitte ausgewählt: Ein „erstes Mal“ (N. bei einer Klassenfahrt mit ihrem Lehrer), ein „letztes Mal“ (N. als Ghostwriterin des 84-jährigen Schauspielers) und den Biergarten-Dialog zweier Ex-Geliebter von N. Die drei Geschichten machten neugierig auf die übrigen 20 - als kluge literarische Reflexionen über das Beziehungspuzzle, bei dem jeder stets unbeirrt nach passenden Gegenstücken sucht.

Harald Martenstein: Gefühlte Nähe. C. Bertelsmann, 224 S., 19,99 Euro. Foto: von Busse

Von Mark-Christian von Busse

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