Theater-AG der Lichtenberg-Schule: Die Qual der Psychosen

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Ein Nicht-Ort: Die Theater-AG der Lichtenbergschule hinter dem Maschendrahtzaun ihres Bühnenbilds.

Kassel. Gebannt verfolgte das Premierenpublikum am Mittwochabend die Premiere der Lichtblick-AG der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule. Neun Schüler haben eine Inszenierung nach dem Stück „Gesäubert“ von Sarah Kane auf die Bühne gebracht.

Darin werden - anstatt einer klaren Handlung - die Psychosen der mit 28 Jahren durch Suizid gestorbenen Autorin gezeigt.

Das Stück spielt an einem nicht genauer definierten Ort. Die Figur Tinker, deren Identität ebenfalls nicht klar bestimmt wird und die in der Inszenierung in einer geschickten Doppelbesetzung (Janka Köhler und Julia Schönwetter) auftritt, stellt sich schnell als sadistischer Misanthrop heraus, der Menschen quält und manipuliert. Alle Figuren sind eng miteinander verbunden, weisen starke Psychosen auf und sehnen sich nach Liebe und Geborgenheit.

Das Stück wird von einer starken Körperlichkeit in einem unwirklichen und düsteren Raum geprägt. Die Schauspieler tragen Mullbinden, die Brust und Hüfte eng umwickeln. Hose und Top werden immer wieder ausgezogen und verdeutlichen körperliche und seelische Entblößung.

Das Geschehen auf der Bühne zeigt Psychosen der dunkelsten Art. Es gibt das Hier und das Drüben, abgetrennt durch einen herabhängenden Maschendrahtzaun. Doch den im Titel des Dramas versprochenen Zufluchtsort, das „Refugium“, sucht man vergeblich.

 „Das Stück will nicht unterhalten“, erklärt Spielleiter Nikolaos Lampos zu Beginn. Aber es zieht die Zuschauer in seinen Bann. Verstört, aber tief beeindruckt von einer Leistung aller Ensemblemitglieder, die nach Vergleichbarem suchen lässt, spendete das Publikum viel Applaus.

Wieder am 30. April, 4./8. und 9. Mai, 19.30 Uhr in der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule, Brückenhofstr. 88.

Von Kirsten Ammermüller

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