Quarkbirne und Baumeister Bob: Urban Priol in Kassel

„Jetzt“ heißt sein Programm – also ging es um Flüchtlinge, VW und DFB: Urban Priol. Foto: Malmus

Kassel. Seine einst so wilde Stachel-Frisur ist in den Rasenmäher der Zeit geraten, sein Mundwerk aber kennt keine Verschleißerscheinungen. Kabarettist Urban Priol lästerte, explodierte, parodierte und inspirierte am Samstag in der mit 1300 Besuchern gefüllten Stadthalle.

Jede Menge Hintergrundwissen brachte der in Aschaffenburg geborene Kabarett-Eulenspiegel mit: Wo hat Angela Merkel ihre Durchhalteparole in Sachen Flüchtlingsströme her? Ihr „Wir schaffen das“? Von „Bob dem Baumeister“, der Kinderserie.

Apropos unsere Kanzlerin. Kam er auf sie zu sprechen, auf „unsere Sissi, unsere Flüchtlingsmutti“, seine Intimfeindin, wallte des Kabarettisten Zorn, ging Priol zum Watschelgang über und spielte eine sich vor Entscheidungen verkrümelnde Kanzlerin. „Wir schaffen das? Dahinter will ich ein Komma und dann mehrere Male das Wörtchen weil sehen“, wetterte er. So wie über „Seehofer, die Quarkbirne aus Ingolstadt“, über den „Spiegel“, „das feuchte Zündplättchen des Kanzleramts“, die „SPD, das soziale Spurenelement“ und vieles mehr.

Das Programm des 54-Jährigen heißt „Jetzt“. Flüchtlingsströme, VW-Skandal und der Vorwurf, die Fußball-WM 2006 sei gekauft worden, das sind seine größten Angriffsflächen. Die Kicker-WM 2006 gekauft? „Nun denn – man spricht ja vom Sommermärchen.“

Priol zu erleben, bedeutet wesentlich mehr, als bissigen Kommentaren zu lauschen. Wie er den Motzer gibt, den Buh-Rufer, den Verzweifelten – „da schwellen meine Halsschlagadern wie Baumstämme“ –, den Parodisten, der die Stimmen von Merkel, Beckenbauer, CSU-Legende Franz-Josef Strauß, die Altkanzler Schröder und Kohl einfach köstlich bringt: All das erreicht komödiantische Spitzenwerte. Bei seinen scharfzüngigen Vergleichen lacht das Publikum lauthals: das Oktoberfest? „O’zapft is – eigentlich ein Motto der NSA.“ Zwischenapplaus war Dauerbegleiter seiner Verbalattacken. Dass der am lautesten ausfiel, als Priol ausrief: „Wir haben keine Politiker von Format mehr“, gibt zu denken. Riesenapplaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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