Die Queen bat zum Tanz: Soul-Star Sharon Jones liefert im Kulturzelt ein Ausnahmekonzert ab

Unermüdliche Kraftreserven: Die 55-jährige Sharon Jones im Kulturzelt. Foto:  Fischer

Kassel. Was Verausgaben heißt, ist in Kassel seit Sonntagabend neu definiert. Als nämlich ein vollbesetztes Kulturzelt den Ausnahme-Auftritt der amerikanischen Funk- und Soulsängerin Sharon Jones miterlebte und zwei Stunden lang staunte, wie unglaublich viel Energie diese Frau hat.

Die 55-Jährige wirbelte über die Bühne, tanzte, schrie, sang, rief, feuerte ihre Band an, holte sich Zuhörer aus dem Publikum, die sie auf der Bühne ebenfalls zu wildem Herumflippen animierte. Küsschen, Dank, strahlende Gesichter.

Sharon Jones erzählte die Geschichte ihrer ursprünglich aus Westafrika stammenden Familie in Tanzschritten. Sie bestieg tanz-pantomimisch einen Zeitreise-Zug ins Jahr 1965 und präsentierte Tänze von damals: den Boogaloo und vor allem das getanzte Kartoffelpüree-Stampfen - „Mashed Potato“.

Die goldenen Sandalen kickte Sharon Jones schnell weg, die cremefarbenen Fransen an ihrem goldenen Paillettenkleid schwangen mit, die Zopffrisur flog und das Publikum war ebenso beeindruckt wie verzaubert von der Ausstrahlung, Freundlichkeit und Durchsetzungskraft dieser Powerfrau. Definitiv eines der Top-Konzerte der Saison.

Sharon Jones legte den Schwerpunkt des Abends auf die schnellen Funk-Titel in der James-Brown-Tradition, heiser-kratzig rief sie mehr ins Mikro als dass sie sang. Und verlangte unentwegt mehr von der Band, von den Zuschauern: „Come on!“.

Dabei waren die wenigen Soultitel desto willkommener, wo ihre Stimme tiefer, weicher, glänzender wurde, ebenso ausdrucksvoll. Und wo Band und Saal einen Moment zum Durchschnaufen bekamen. Sie brauchte den nicht.

Überhaupt, die Band: Die acht Dap-Kings unter Leitung von Gitarrist Binky Griptite setzten scharfe Bläserakzente, die Percussionisten gingen in Turbotempo ab, die Gitarren funkten dazwischen, Trompeter Dave Guy wagte sich mit einem dreckig-sexy Solo hervor.

Und dann Starr Duncan und Saundra Williams, die beiden Backgroundsängerinnen, die jede einen Solotitel bekamen - mit sofortiger Ganzkörper-Gänsehaut beim Zuhören.

Die Dap-Kings in ihren dunklen Anzügen boten eine perfekt inszenierte Funksoul-Revue der klassischen Schule. Glamourös, diszipliniert musiziert und anspruchsvoll arrangiert war das viel mehr als nur der Hintergrund für den Star.

Zwei der Höhepunkte: Das soulige „She Ain’t A Child No More“ voller Glamour und das groovige „Money“ mit den markanten Bläsereinsätzen.

Kurz vor den Zugaben bekamen die Musiker kühle Drinks auf die Bühne gebracht - nicht, dass sie tatsächlich schon erschöpft wirkten. Dann kam eine James-Brown-Ehrung mit seinem gefühlvollen „It’s A Man’s World“. Und nach dem Ende auf der Bühne ging die Show draußen vor dem Zeit noch fast eine Stunde weiter: Sharon Jones signierte, ließ sich fotografieren und verteilte großzügig Küsschen auf die Wangen der begeisterten Fans. Ein Star zum Anfassen.

Von Bettina Fraschke

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