Das Frankfurter Comedy-Duo Mundstuhl in Vellmar

Einmal herzhaft unter Niveau lachen: Das Duo Mundstuhl mit Ande Werner (links) und Lars Niedereichholz. Foto: Malmus

Vellmar. Warum das Frankfurter Duo Mundstuhl so erfolgreich ist, könnte das Interesse von Psychologen wecken. Im Resümee präsentieren die Echo-Preisträger Ande Werner und Lars Niedereichholz nichts anderes, als zwei sich permanent streitende, lärmende Dumpfbacken, die dann auch noch in Frauenkleider schlüpfen und Klischees ins Extreme steigern.

Gerade deswegen aber kommt man aus dem Lachen nicht heraus. Auch für das Publikum, das am Freitag in das proppenvolle Bürgerhaus Vellmar-West gekommen war, gilt das. „Mütze, Glatze – Symply The Pest“ heißt das Programm, mit dem die beiden auf Jubiläums-Tour sind. Es ist ein Zusammenschnitt ihrer beliebtesten Nummern.

Kaum zwei Minuten auf der Bühne geht die Streiterei schon los. Um Namen und Vergleiche geht es: „Brett von de Pit, das klingt ja wie ein Hohldübel. So gesehe wär’ Feuchtmörtel ein guter Mädsche-Name.“ Die Dramaturgie folgt bei Mundstuhl stets dem gleichen, köstlich infernal gestrickten Muster. Der eine erzählt, der andere fällt ihm ins Wort. Hin und her geht das verbale Tennis und schließlich eskaliert das Ganze und mindestens einer brüllt los.

Da wird sich gestritten, wer der Ärmere ist und endet mit dem absurden Triumph: „Eier habt ihr zu esse gehabt? Wir net, isch hab’ bis heute keine Eier.“ Da zieht Niedereichholz als cholerisch explodierende Solo-Figur Andy über seine „fette Frau mit den Dreckshaare“ her. Und wenn die beiden dann in die Rolle der durchgeknallten Kultkanacken Dragan und Alder schlüpfen und über ihre „Scheißedreck neue Han-dys und über ihre Hausschuh-Abschlüsse“ palavern und wenig später mit roten Schmuddel-Perücken als junge Plattenbau-Mütter Peggy und Sandy erscheinen, um sich in die sozialen Abgründe zu seufzen, dann hat die Stimmung im Saal ihren Höhepunkt erreicht.

Lautstarker Applaus und eine Zugabe Marke Mundstuhl: Zunächst drei Minuten auf die Uhr gucken, die Sekunden zählen und über die „unmögliche Leute“ lästern, die sich „so was als Zugabe biete lasse“, dann gemeinsam ein Lied schmettern.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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