Radikal: Bachs Markuspassion in der Martinskirche

Eindringliche Spannung zwischen Alt und Neu: Kleine Kantorei und Orchester von St. Martin unter der Leitung von Eckhard Manz. Foto: Malmus

Kassel. Fein gearbeitete Klanggespinste und barocke Impulse: Eindringlich gestaltet war die Karfreitagsandacht in der gut gefüllten Martinskirche.

Unter der Leitung von Eckhard Manz erklang Johann Sebastian Bachs Markuspassions-Fragment mit der Ergänzung „Und ich erzähle…“ des Freiburger Komponisten Otfried Büsing. Die Komposition von Bachs Markuspassion (1731) ist verschollen, sie lässt sich jedoch in Teilen rekonstruieren, da das Textbuch erhalten blieb und Bach auf bereits früher komponierte Werke zurückgegriffen hatte. Büsings Version aus dem Jahr 1993 bildet eine konsequent moderne Ergänzung.

Es ist ein kammermusikalischer Tonsatz, kontrapunktisch, manchmal auffahrend illustrierend, mit einem sehr eigenen Klang. Die Instrumentation umfasst dunkle Holzbläser bis zum knarzenden Kontrafagott ebenso wie eine Harfe und eine silbrige Gambe.

In moderner Übertragung von Walter Jens wird der Evangelienbericht dargeboten. Als weitere Besonderheit sind die von Bach vertrauten Stimmfächer vertauscht: Den Evangelisten singt ein Bariton, während Jesus, ein junger Mann zwischen Aufbegehren und Ergebung, von einem Tenor gesungen wird. Bariton Janno Scheller und Tenor Alexander Keidel gaben ihren Partien viel Expressivität.

Dramaturgisch geschickt eingeschoben waren die Chorsätze und Arien Bachs: eine energische, temporeiche Interpretation mit den Gesangssolisten Traudl Schmaderer, Anja Wagner und Alexander Keidel sowie der Kleinen Kantorei und dem Orchester St. Martin.

Perfekt in Dauer und Ausdruck ergänzte die einstündige Passionsmusik Büsings/Bachs die Liturgie von Pfarrer Dr. Willi Temme. Eindringliche Spannung zwischen Alt und Neu herrschte auch beim Gemeindegesang: Herbste Orgel-Dissonanzen begleiteten das Kirchenlied „O Haupt voll Blut und Wunden“.

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