Radikal hart: Das neue Album des HipHop-Superstars Kanye West

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Zwischen Genie und Wahnsinn: Rap-Superstar Kanye West bei einem Auftritt in Los Angeles.

Er hat 21 Grammys, 14 Millionen Alben verkauft und ein Jahreseinkommen von 30 Millionen Dollar - eigentlich könnte sich Rap-Superstar Kanye West entspannt zurücklehnen, wäre da nicht sein überlebensgroßes Ego.

Fanatisch, ja besessen von der Überzeugung, das perfekte Popalbum erschaffen zu können, tüftelt er an seinem unverkennbaren Sound.

Mit seinem Debüt „The College Dropout“ legte West 2003 fest, wie HipHop für die nächsten Jahre zu klingen hat. Mit seinem vergangenen Album „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ schuf er einen Meilenstein der Popgeschichte. „American Mozart“ nannte ihn ein US-Magazin. Seit dieser Woche steht der neueste Geniestreich des Rappers mit dem exzentrischen Modegeschmack in den Plattenläden.

Hart, verbittert, kompromisslos und radikal - damit lässt sich „Yeezus“ wohl am treffendsten beschreiben. Selbst die Promotion wurde auf die düstere Grundstimmung der Platte angepasst. Keine vorveröffentlichten Songs, keine Interviews, keine Informationen.

Dann, wie aus dem Nichts, ein Lebenszeichen: Das Video zur ersten Single „New Slaves“ ließ West an 66 Gebäude projizieren. In dem Stück prangert der Afroamerikaner Rassismus an. Ein Großteil der zehn Songs handelt von Ausbeutung, Rassismus, Sklaverei und Korruption. Besonders hervor tun sich dabei „New Slaves“, „Black Skinhead“ und „Blood On The Leaves“.

Ein Drittel des Albums wurde vom französischen Elektro-Duo Daft Punk produziert. Zweimal ertönt die Stimme der Soul-Legende Nina Simone, was der Authentizität der Platte gut tut. Denn darin liegt der einzig wahre Schwachpunkt von „Yeezus“.

Auf der einen Seite gibt es den Rapper Kanye West, Sohn einer Literaturprofessorin und eines Black-Power-Aktivisten. Jenen Mann, der nach seinem Highschool-Abschluss 1995 Kunstgeschichte studierte, ehe sein späterer Mentor Jay-Z dessen musikalisches Talent erkannte. West hing seine College-Karriere an den Nagel.

Auf der anderen Seite gibt es den Egomanen Kanye West, liiert mit dem It-Girl Kim Kardashian. Ihr Dasein besteht darin, gut auszusehen und sich dabei fotografieren zu lassen. 2009 sprang er bei den MTV Video Music Awards während der Dankesrede von Country-Sängerin Taylor Swift auf die Bühne, die gerade den Preis für das beste Video entgegennahm. West war sich sicher, dass dieser an Beyoncé hätte gehen müssen. Doch das ist, was West als Künstler ausmacht: Eine eigenwillige Person zwischen Genie und Wahnsinn.

Ein Meisterwerk hat Kanye West mit „Yeezus“ nicht geschaffen. Muss er auch nicht. Denn das hat er mit dem Vorgänger „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ schon getan.

Kanye West Yeezus (Def Jam/Universal). Wertung: vier von fünf Sternen

Von Daniel Göbel

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