Das Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest zeigt ab Dienstag 236 Filme

Radikale Bilder der Welt

Szene aus dem Film „Korankinder“ über stark abgeschottete Koranschulen in Bangladesh.

KASSEL. Wer mit Privatfernsehen aufwächst, kennt zwar Doku-Soaps, wo sogenannte echte Menschen vorgeführt werden, ist aber meist wenig vertraut mit ernsthaften Dokumentationen. Das will das Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest ändern, und hat dazu erstmals ein pädagogisches Programm mit aufgenommen. Wenn ab Dienstag Filmemacher aus der ganzen Welt in Kassel ihre Arbeiten zeigen, gibt es eigens ein Angebot für Schüler, Dokumentarfilme kennen- und sehenzulernen.

Das Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest bietet in dieser Woche wieder eine prominente Plattform für alle Arten von dokumentarischem Schaffen und der Videokunst. Es gehört längst zu den etablierten Größen im deutschen Festivalbetrieb. Eins zeichnet das Dokfest ganz besonders aus: Es legt einen Schwerpunkt auf das regionale Filmschaffen, 20 Prozent der Arbeiten stammen aus Hessen.

Aus 2636 Einreichungen hat das Dokfestteam um Kati Michalk und Gerhard Wissner Ventura 236 Filme ausgewählt, die zwischen Dienstag und Sonntag gezeigt werden. Das sind abendfüllende Dokumentationen aus aller Welt ebenso wie Mini-Trickfilme, die an der Kasseler Kunsthochschule entstanden sind. Themenschwerpunkte, so Wissner, sind in diesem Jahr das Lernen, die deutsche Geschichte und die Auseinandersetzung mit Krieg.

Es läuft etwa ein Film über einen ostdeutschen Ort, wo die Agentur für Arbeit mal ausprobiert hat, was passiert, wenn man die Arbeitslosigkeit von 24 Prozent auf Null drückt („Die Maßnahme“), ein Porträt über Swetlana Geier, die Dostojewskis Romane neu übersetzt hat („Die Frau mit den 5 Elefanten“) das radikale Videotagebuch eines Jungen, der sich das Leben genommen hat („Tabou“), ein bestürzendes Dokument der Zerstörung unserer Umwelt durch Plastikmüll („Addicted to Plastic“): Vier Beispiele von 236 für die Bandbreite der Arbeiten.

Das Dokumentarfilm- und Videofest ermöglicht filmische Entdeckungen, die im Kino oder Fernsehen nur schwer möglich wären. Dazu kommt eine Begegnung mit Filmemachern, deren Schaffen kontinuierlich über die Jahre begleitet wird. Dass seit einigen Jahren mehrere Preise beim Festival vergeben werden, bietet für Filmemacher einen zusätzlichen Reiz.

Der Goldene Schlüssel ist ein mit 5000 Euro dotierter Preis der Stadt Kassel. Damit wird die beste dokumentarische Nachwuchsarbeit ausgezeichnet, 14 Arbeiten sind für diesen Preis nominiert.

Der Goldene Herkules zeichnet mit 2500 Euro eine herausragende filmische Produktion aus Nordhessen aus. Preisstifter von 2001 bis 2007 war die HNA, seither stiftet die Kasseler Agentur Machbar diesen Preis, für den 30 Arbeiten nominiert sind.

Das A38-Produktionstipendium fördert gesellschaftskritische Arbeiten. Der Golden Cube, gestiftet vom Kasseler Softwareunternehmen Micromata, zeichnet mit 2500 Euro eine Medieninstallation aus, 16 Arbeiten sind dafür nominiert.

Diese Medieninstallationen bilden die Ausstellung „Monitoring“, das Forum für künstlerische Videoarbeiten, das in diesem Jahr mit illustren Namen wie Candice Breitz und Marina Abramovic aufwartet.

Von Bettina Fraschke

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