TV-Macher Reinhold Beckmann gastierte mit Band im Piazza

„Ran“ ans Mikrofon

Aufgeregt: Reinhold Beckmann sang Chansons. Foto:  Koch

Vellmar. Mit der Sportsendung „ran“ gelang ihm zu Beginn der 90er-Jahre der goldene Schuss in Sachen Fußballberichterstattung mit Show-Charakter. Auch als Talkmaster ist er auf dem Bildschirm: Reinhold Beckmann ist Fernsehzuschauern fast so vertraut wie die Fernbedienung.

Durch 18 deutsche Städte führt den Fernsehmann nun das Abenteuer, mit Band als Musiker auf der Bühne zu stehen. Am Donnerstag im gut gefüllten Piazza in Vellmar. Das Fazit dieses Abenteuers in Sachen Selbstausdruck ist zwiespältig. Ein Rhetoriker und Kopfmensch wagt sich aufgeregt auf ein Terrain, das ihm per Promibonus zwar eine gewisse Publikumsresonanz sichert, das aber auch zu einer Demontage geraten kann.

Beckmann singt Flottes wie auch tief Melancholisches. Die Texte sind satirisch wortwitzig, wie das Lied über „Charlotte“, seine „erste Liebe“, eine Metzgerstochter, die ihn mit Wurstscheiben und drallem Dekolleté beeindruckte oder die Abrechnung mit Besserwissern („Saubermann, du kleines Trüffelschwein, wie du dich in meinen Sünden wälzt“). Bei seinen Liedern über den Schmerz der Liebe allerdings hat er es nicht leicht. Das Gefühl will raus, doch es quillt nur durch die Ritzen eines in Jahren geformten Image-Korsetts. Etwas ungelenk und hilflos wirkt er hierbei. Möchte klingen wie berühmte Vorbilder. Technisch gekonnt erreicht die Stimme selten die Herzen. Mehr Stimmung kommt immer dann auf, wenn Satire und flotte Musik verschmelzen. Da klatscht das Publikum auch schon mal mit, wie beim „Hypochonder-Lied“.

Bossa-nova-Klänge, Balladen und Country-Musik bestimmen die Atmosphäre, Andreas Dopp (Gitarre), Thomas Biller (Bass), Helge Zumdieck (Drum) und Jan-Peter Klöpfel (Klavier/Trompete) spielen souverän. Viel Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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