Vier Tage schräge Filmkunst 

Horror, Sex und Feminismus beim Kasseler Randfilmfest

Gefahr: „Die Weibchen“ von Zbynek Brynych erzählt aus einer Heilanstalt, in der es rätselhaft zugeht.

Kassel. Von Donnerstag bis Sonntag wird Kassel zum Treffpunkt von Fans etwas abseitigerer Filmkultur. Das Randfilmfest hat den Schwerpunkt Frauen

Mit einem Schlag ist Ralf Stadler, Christoph Langguth und Volker Beller klar geworden, in welcher Jungswelt sie sich in den vergangenen Jahren bewegt haben. Die Kreativköpfe des Kasseler Randfilmfests haben vier Ausgaben lang übersehenen und sperrigen Werken der Filmkunst einen eigenen Raum gegeben und das abseitige Filmschaffen gefeiert. Vor der fünften Auflage (13.-16.9.) haben sie nun realisiert, dass das alles weitgehend aus der Männerperspektive stattgefunden hat. Männerblick, Männerfilme, männliche Gäste. Und steuern jetzt um: Das morgen beginnende Randfilmfest mit dem Titel „Final Girls / Guilty Guys“ will Geschlechterstereotype aufweichen und starke Heldinnen des Kinos – auf der Leinwand und hinter der Kamera – feiern.

Das Programm

„Final Girl“ – das sind die Heldinnen, die sich am Ende eines Films dem (oft genug maskulinen) Bösen entgegenwerfen. Die Festivalmacher wollen mit ihrem Programm beweisen, dass die Zeiten vorbei sind, da Frauen klassische Opferrollen einnehmen. Der zweite Teil des Mottos, „Guilty Guys“, verweist auf Männer aus der Filmwelt, die wegen fragwürdigen Verhaltens in die Kritik oder vor Gericht gelangt sind. So wird hier ein Blick auf das Schaffen von Harvey Weinstein, Woody Allen, Klaus Kinski und Roman Polanski geworfen. Wie geht man mit deren Werk nun um?

Die Filme

Im Zentrum des Filmprogramms steht die französische Filmemacherin Claire Denis (72), die 2017 Juliette Binoche in „Meine schöne innere Sonne“ als Künstlerin Isabelle in Szene gesetzt und deren Liebes- und Sexleben – aber auch die Gründe für das Scheitern von beidem – durchbuchstabiert hat. Damit wirft Denis einen selbst für französische Filme ungewöhnlich komplexen Blick auf die unabhängige Frau mittleren Alters.

Die feministische Filmemacherin Monika Treut wird vorgestellt, Asia Argento, Mitinitiatorin der MeToo-Bewegung ist mit einem Werk präsent, es gibt aber auch feministische Vergewaltigungsthriller, Horror und Splattermovies. Eine Programmreihe heißt „Frauen am Rande männlicher Vorstellungskraft“ und analysiert, wie die Filmwelt Rollenbilder verengt, und wo es Beispiele für eine Befreiung daraus gibt.

Der Rahmen

Es gibt neben den Filmen Vorträge und Diskussionen zur Situation von Frauen in der Branche, zur Darstellung von Vergewaltigung im Film, zur feministischen Filmkritik. Und es gibt eine Eröffnungsgala, eine Preisverleihung und einen abendlichen Ausklang mit DJ-Musik und Bands.

Der Ort

Das Festival findet im Interim am Kasseler Kulturbahnhof statt, Franz-Ulrich-Straße 16. www.randfilmfest.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare zu diesem Artikel