Als Plan B mischt Londoner Bleichgesicht Ben Drew die Popwelt auf

„Mehr Soul geht nicht“: Ben Drew alias Plan B. Foto: Rankin / Warner

The Streets, Dizzee Rascal und nun Plan B. Der 26-jährige Londoner Ben Drew steht in der Tradition erfolgreicher englischer Außenseiter, die sich aus Versatzstücken des Pop eine kreative musikalische Form zusammenzimmerten.

Doch während seine Vorgänger für die Deutschen weit gehend böhmische Dörfer blieben, könnte es Ben Drew schaffen, auch außerhalb der Insel erfolgreich zu sein. Vor allem dank der universellen Kraft der legendären Soul-Label Motown und Stax. In England schaffte es „The Defamation Of Strickland Banks“, das soulige zweite Werk von Ben Drew, aus dem Stand auf Platz eins der Albumcharts.

Selbstverständlich hatte er eine schwere Kindheit. Ben Drew, ein Star der Güteklasse „unverstandener Rebell aus widrigen Verhältnissen“. Irgendwie gehört es zum Bild dazu, dass er an diesem Tag, da er sein so erfolgreiches zweites Album in Deutschland bewirbt, ungemein müde ist. Vielleicht stellt sich Ben die Frage, ob es das hier überhaupt bringt, mit deutschen Journalisten zu reden.

2006 begann seine Karriere mit dem Debütalbum „Who Needs Actions When You Got Words“. Plan B, wie Ben Drew sich als Musiker nennt, überraschte die Kritiker der Insel mit schnell gerappten Gossengeschichten über Drogen, minderjährigen Sex und Jugendgewalt. Der Clou war jedoch, dass er seinen Sprechgesang zur rhythmisch geschlagenen akustischen Gitarre vortrug.

Die Briten, immer interessiert an neuen Ausdrucksformen des Pop, an kantigen Stars und originellen Geschichten im Straßendialekt, überschütteten Drew mit Lob. Das Debüt des Nobodys erreichte auf Anhieb Platz 30 der Charts.

Als Ben sechs Jahre alt war, verließ sein Vater, ein Punkmusiker, die Familie. Die Familie, das sind Bens Mutter und Schwester. „Ich bin mehrmals von der Schule geflogen und schließlich auf eine Schule für Schüler gegangen, die niemand sonst mehr will. Das war die positivste Erfahrung meines Lebens. Dort gab es Lehrer, die mir viel Unterstützung gaben.“ Die Geschichte der gelungenen Integration eines Außenseiters beginnt mit kreativem Unterricht, mit dem Ausprobieren verschiedener Produktionsformen für Popmusik.

Unsortierte Vorbilder

Drews musikalische Entwicklungsgeschichte ist dabei so unsortiert wie seine Vorbilder. „Erst war es Michael Jackson, dann Kurt Cobain. Später wurde ich zum Fan von Bands wie Radiohead, Prodigy oder Blur.“

An die Schule schloss Ben auf Rat der Familie ein College für Film und Media-Produktion an. Weil seine Mutter und Schwester sagten, dass er sein Leben nicht wegwerfen solle und weil Drew schon längst der Meinung war: „Musik ist wie Filmen, nur ohne Bilder.“

Drews neues Album ist in der Tat wie ein Film, der zunächst ohne Bilder auskommt, zu dem jedoch Bilder nachgereicht werden. Es gibt eine Reihe von Videos zum Album, die eine fortlaufende Geschichte erzählen. Ein richtiger Film ist in Vorbereitung.

Bei der Kunstfigur Strickland Banks, um den es auf dem gleichnamigen Konzeptalbum geht, handelt es sich um einen talentierten Popstar der übelsten Sorte: arrogant, rücksichtslos und ausbeuterisch. Irgendwann wird Banks eines Verbrechens beschuldigt, kommt ins Gefängnis und arbeitet da an seiner Läuterung. „Strickland Banks ist so, wie ich geworden wäre, wenn Plan A funktioniert hätte“, sagt Ben Drew.

Strickland Banks ist ein Sänger, der „besessen von den Sixties ist“, so Drew. „The Defamation Of Strickland Banks“ erinnert an Soulklassiker wie Marvin Gayes „What’s Going On“. Erstaunlich ist allerdings, dass Ben Drew niemals zuvor die Geschichte des Soul und anderer schwarzer Musik studiert hatte. „Das war die Herausforderung, was den Stil dieses Albums angeht“, sagt er. „Man kann es aber auch so sehen - im Grunde habe ich mit Soul begonnen. Nur ich und meine Gitarre, mehr Soul geht nicht.“ (tx)

Plan B: The Defamation Of Strickland Banks (Atlantic /Warner). Wertung: !!!!!

Von Eric Leimann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.