Rap-Star Günther Oettinger: Das neue Album der Orsons

Manchmal haben sie ein Brett vorm Kopf: Die sehr lustigen Rapper Die Orsons aus Stuttgart. Foto: Wöhrle

Die Orsons sind immer für einen feinen Spaß zu haben. Auf ihrem neuen Album verulken die Stuttgarter Rapper unter anderem EU-Kommissar Günther Oettinger.

Wenn Teenager bald auf Günther Oettinger stehen, könnte das an den Orsons liegen. Die Stuttgarter Rapper sampeln auf ihrem neuen Album „What’s Goes“ eine Denglisch-Rede ihres ehemaligen Landesvaters. Zu trockenen Beats hört man den CDU-Politiker und EU-Kommissar im Titel-Song radebrechen: „In my homeland Baden-Württemberg, everybody does as he pleases.“

Oettinger lobte die Hommage, die gar nicht als solche gedacht war, und sagte: „Nichts freut einen Politiker mehr, als wenn seine Äußerungen wiederholt werden. Dass die HipHop-Musiker aus meinem Homeländle kommen, finde ich besonders sympathisch.“

Acht Jahre nach seiner Gründung ist das Quartett auf dem vorläufigen Karriere-Höhepunkt angekommen. Beim bislang letzten Auftritt der Orsons in Kassel 2013 trat der deutsche HipHop-Superstar Marteria im Vorprogramm auf und kündigte „die beste Band der Welt“ an. Nun, da die Schwaben am 15. August ins Kasseler Kulturzelt kommen, schreibt ihre Plattenfirma: „Wer die Orsons verstanden hat und mag, kann kein schlechter Mensch sein.“ Also nichts wie hin.

Maeckes, Bartek, Tua und Kaas sind bei Chimperator, dem Label des Panda-Rappers Cro, unter Vertrag. Ihre Texte sind aber vielschichtiger und so witzig wie die der Hamburger Combo Fettes Brot. Anders als bei vielen Genre-Kollegen geht es bei ihnen nicht um die Frage, wer den Längsten hat. Statt „geil“ sagen sie „süß“ und gestalten CD-Cover in rosa Farben. Als „Hooligans of love“ haben sie vor einigen Jahren sogar im Vorprogramm von Herbert Grönemeyer überzeugt.

Auf „What’s Goes“ bringen die Orsons Oldschool-Beats, Reggae-Rhythmen, Dubstep und Psychedelic-Unsinn zusammen. Manchmal klingen sie wie eine Boyband, manchmal nach Underground. In ihren Texten nehmen sie selbstironisch den HipHop auf die Schippe („Eure Beats haben Bass, unsere Beats haben besser“) oder geben Ratschläge für ein besseres Zusammenleben: „Ich hinterlass’ die Toilette immer so, wie ich sie gern hätte. Betrete sie nach mir und bestaune goldglitzernde Wände.“

Franz-Kafka-Fans können Zeilen über Gregor Samsa interpretieren, die Kinder unter den Erwachsenen freuen sich an einem Sample von Biene Majas Willi. Wobei zu dem dicken Zeichentrick-Brummer ein anderer Politiker als Oettinger besser gepasst hätte: Ein Lied über den SPD-Chef Sigmar Gabriel ist längst überfällig.

Die Orsons: What’s Goes (Chimperator/Universal). Wertung: vier von fünf Sternen

Die Orsons spielen am 15. August im Kasseler Kulturzelt. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.