Der rappende Bruder von Jérôme und Kevin-Prince Boateng

Auf dem Fußballplatz galt er einst als talentierter als seine Brüder Jérôme und Kevin-Prince, doch dann landete George Boateng im Knast. Nun gibt der Berliner sein Debüt - als Rapper.

Familien wie die Boatengs gibt es viele in Deutschland und doch sind die drei Brüder aus Berlin einzigartig: Jérôme (27) wurde mit Deutschland Fußball-Weltmeister und ist einer der besten Verteidiger der Welt. Kevin-Prince (28) spielt für Ghana und hielt vor den Vereinten Nationen eine bewegende Anti-Rassismus-Rede.

Der Talentierteste von ihnen soll aber George (32) gewesen sein, doch er landete im Knast. Nun ist der älteste Boateng-Bruder Rapper geworden und veröffentlicht als BTNG sein Debütalbum. Auf „Gewachsen auf Beton“ erzählt er, wie man es schaffen kann - auch wenn man aus einem Ghetto im Wedding kommt.

DIE FAMILIE

Vater der drei Brüder ist Prince Boateng, der Anfang der 80er mit einem Stipendium aus Ghana nach Berlin kommt, um BWL zu studieren. Doch nach dem Putsch in seiner Heimat ist sein Stipendium nichts mehr wert. Er jobbt als Dachdecker und legt als DJ auf.

In der Disco lernt er Christine kennen. 1982 wird George geboren, fünf Jahre später Kevin. Da hat der Vater aber schon eine neue Partnerin, die 1988 Jérôme zur Welt bringt. Die neue Familie lebt im bürgerlichen Wilmersdorf, die älteren Söhne müssen sich im Wedding durchschlagen, wo man „Drogendealer, Gangster oder Fußballer wird“, wie Kevin-Prince später sagen wird.

DER FUSSBALL

Für seine älteren Söhne ist der Vater fast nie da. Erst George bringt die Brüder zusammen, da ist Jérôme schon neun. So oft es geht, kicken sie im Käfig, einem Bolzplatz am Flüsschen Planke. „Ein Bruder wird zum Vater für seine Geschwister“, rappt BTNG im Titeltrack seines Albums über die Zeit damals.

DER ABSTURZ

Bis zur A-Jugend spielt George für Hertha BSC, dann hört er auf, auch die Schule schmeißt er nach der neunten Klasse ohne Abschluss hin. Er ist auf dem besten Weg, Gangster zu werden. Nach einer Schlägerei verbringt er acht Monate in Untersuchungshaft. Danach fängt er mit der Unterstützung von Jérôme neu an - als Hundezüchter und HipHopper. Zunächst rappt er unter dem Namen Trisomie. Sein erster Sohn wird mit dem Down-Syndrom geboren.

DIE MUSIK

Ohne seine Geschichte würde sich wohl kaum jemand für BTNG und seine Musik interessieren, die aus simplen und harten Beats sowie kitschigen Synthie-Klängen besteht. Aber dank seiner Brüder ist George nun auch ein Star. Der Sportartikelkonzern Nike hat ihn, Jérôme und Kevin-Prince auf eine Häuserwand im Wedding sprühen lassen. Die Boatengs sind so zurück im Wedding.

George wohnt mit seiner Familie in Reinickendorf, aber das Ghetto kriegt er nicht aus sich raus. In „Käfigtiger“ rappt er: „Meine Brüder und ich gegen den Rest der Welt.“ In „BOA-Clan“ heißt es, Ballack habe es verdient. Es ist eine Anspielung auf ein Foul von Kevin-Prince an Michael Ballack, nach dem Fußball-Fans in Facebook-Gruppen wie „Boateng? Peng!“ Rache forderten.

Keiner von ihnen hatte es einfach. Wer „Gewachsen auf Beton“ hört, versteht die Familie Boateng besser. Es ist eine deutsche Aufstiegsgeschichte.

BTNG: Gewachsen auf Beton (Warner). Wertung: drei von fünf Sternen

Das Buch

Die Geschichte von Jérôme, Kevin-Prince und George hat Michael Horeni („Frankfurter Allgemeine Zeitung“) eindrucksvoll in seinem Buch „Die Boateng-Brüder. Drei deutsche Leben zwischen Wedding und Weltfußball“ (Bastei Lübbe, 320 Seiten, 8,99 Euro) erzählt. Darin sagt George: „Kevin und ich haben immer so getan, als ob wir unseren Vater nicht brauchen würden, aber das stimmte natürlich nicht. Im Wedding weißt du, was dich erwartet, wenn du keinen hast, der dir den Weg zeigt.“

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