Rapper haben keinen Respekt vor der Mama

Deutschrapper beleidigen in ihren Songs gerne - vor allem Mütter. Doch welcher Rapper hat wie oft Mütter beleidigt? Die Texte von 32 Sprechsängern und HipHop-Gruppen hat der „Musikexpress“ untersucht.

Seine Mutter findet seine Texte nicht lustig, das weiß Gangster-Rapper Farid Bang. Doch wäre er kein echter Gangster, wenn ihm das nicht reichlich egal wäre. Warum Frau El Abdellaoui die Texte ihres Sohnes nicht mag, lässt sich schnell erklären: 275 Mal hat Farid Bang in seinen Songs Mütter beleidigt. „Ich bin das größte Arschloch, nach dem deiner Mutter“, heißt es in einer seiner harmloseren Textpassagen. Doch sollte man selbst die besser nicht auf der nächsten Familienfeier rezitieren.

Damit führt der Düsseldorfer die Liste der Mutter-Beleidiger an. Das hat das Team der Zeitschrift „Musikexpress“ durch eine umfassende Wortanalyse der Texte von 32 Rappern herausgefunden. 650 000 Wörter nahmen sie unter die Lupe - doppelte Refrains wurden nicht gezählt. „Im Kern der Analyse stand der jeweilige Wortschatz der Interpreten“, sagt Musikexpress-Onlineredakteur Andreas Meixensperger. „HipHop ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt er. Das überraschende Ergebnis: „Ein Erfolgsgarant sind die Beleidigungen nicht.“

In verschiedenen Kategorien von „Alte Helden“ mit den Fantastischen Vier und Fettes Brot bis hin zu Gangster-Rappern wie Fler oder Bushido wurde bewertet. Cro (3), Sammy Deluxe (3) und die Beginner (1) sind eher brave Jungs. Sehr zufrieden dürften die Eltern von Max Herre, den Fantas und Deichkind sein. Sie sind erfolgreich und wissen sich trotzdem zu benehmen - kommen ganz ohne Herabsetzung der Mütter aus. „Das ist die alte Schule. Respekt vor der Mama ist so 90er-Jahre“, bilanziert Meixensperger. Beleidigungen seien vor allem erst von der neueren Generation der Rapper - und den Kids, die ihre Helden Woche für Woche an die Chartspitze kaufen - akzeptiert. Frauen werden in den Texten grundsätzlich nicht wertgeschätzt. „Es ist eine unfassbar sexistische Szene“, sagt Meixensperger. „Deutschrap dominiert nicht nur die Charts, er verändert die Sprache.“ Fast wie zum Beweis rappen die Beginner aktuell: „Jeder sagt Digga heutzutage.“

HipHop, geboren in den 70er-Jahren und auch in Deutschland seit einem Vierteljahrhundert als Popmusik praktiziert, hat seine Streitlust nicht verloren. Es wird in nicht nur beleidigt, sondern auch gemordet. An der Spitze steht erneut Farid Bang, auf dessen Konto 352 lyrischen Morde gehen.

„Der progressive Umgang mit Sprache, das Vermischen von Akzenten, nichtdeutscher Sprache und eigenen Wortkreationen hat zugenommen. Das macht die Rapfans stärker zu Insidern“, so Meixensperger. Und: Die Beleidigungen seien nicht nur plump, betont er und zitiert Kollegah: „Ich bin ein Bild von einem Mann - wie ein Bild von deiner Mum.“ Ob dessen Mutter allerdings darüber lachen kann, darf bezweifelt werden.

Rap in Zahlen

0 Keine einzige Mutter-Beleidigung fand sich in den Texten von den Fantastischen Vier, Dendemann, Advance Chemestry, Deichkind, Yung Hurn, Liont und Max Herre.

3 Monate hat das Musikexpress-Team die Texte untersucht - insgesamt 650 000 Wörter. Herausgekommen ist ein Rap-Quartett-Spiel.

10 häufige Worte, die in Raptexten vorkommen: Leben, Tag, Zeit, Rapper, Bitch, Ex, Geld, Mann, Welt, Rap.

228 Mal kam das Wort Hurensohn in den Texten vor und war somit die häufigste und zugleich plumpeste Art der Beleidigung.

275 Beleidigungen gegen Mütter hat Farid Bang in seinen Songs verpackt. Kollegah kommt auf 270 und Bushido auf 238. Sido übrigens nur auf vergleichsweise geringe 13 Beschimpfungen.

1015 Mal wurden Mütter in den Texten der 32 Sprechsänger beleidigt.

133.695 Worte nutzte Kollegah bislang in seinen Texten und hat damit das dickste Wörterbuch.

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