Der Rapper unter den Songwritern: Mister Me

+
Tritt in Kassel und Göttingen auf: Der in Berlin lebende Musiker Micha Meißner alias Mister Me.

Früher war Micha Meißner aus Einbeck Rapper. Dann verlor er durch eine Autoimmunkrankheit seine Haare. Nun macht er als Mister Me erfolgreich Singer/Songwriter-Pop.

Ohne seine Krankheit würde Micha Meißner heute womöglich nicht als erfolgreicher Singer/Songwriter Mister Me auf der Bühne stehen. Seit er 16 ist, leidet der aus Einbeck in Südniedersachsen stammende Musiker unter kreisrundem Haarausfall. Längst hat er kein einziges Haar mehr am Körper. Die Musik hat ihm geholfen, damit klarzukommen. Heute ist der 26-Jährige mit dem markanten Kopf eine der interessantesten neuen Stimmen im deutschsprachigen Pop. Wir sprachen mit dem Wahl-Berliner, der zu Konzerten nach Kassel und Göttingen kommt.

Der Musiker

Bevor Mister Me die Haare verlor, war er Rapper und mitten in der Pubertät. „Das war eine emotionale Hürde, ich hatte ziemliche Angst“, sagt Meißner. Bei den Betroffenen fallen meist an kreisrunden Stellen am Hinterkopf die Haare aus. Bei manchen hört es nicht mehr auf. Prominentester Fall ist der ehemalige italienische Fußball-Schiedsrichter Pierluigi Collina, dem die Spieler schon wegen seines furchteinflößenden Blickes gehorchten und den die Medien „Glatze Gnadenlos“ tauften.

Wenn man als 17-Jähriger ohne Haare auf dem Schulhof steht, nennt einen jedoch niemand so. Sein Selbstbewusstsein fand Meißner erst wieder, als er mit einer Pop-Band als Sänger auf der Bühne stand und gefeiert wurde: „Das war total berührend für mich“ - und anders als bei den üblichen HipHop-Partys. Er lernte Gitarre und entdeckte melodischere Beats für sich. Bald war ihm auch klar, dass es schlimmere Krankheiten gibt.

Das Mini-Album

Voriges Jahr veröffentlichte Mister Me die EP „Angst“, die im Vergleich zu den zahlreichen anderen jungen deutschsprachigen Singer/Songwritern ziemlich einzigartig klingt. „Wenn man einmal HipHop gelebt hat, kriegt man das nur schwer aus einem raus“, findet Meißner.

Mister Me vereint ähnlich wie der Berliner Prinz Pi das Beste aus zwei unterschiedlichen Welten. Als er vor einigen Jahren den Rapper Max Herre mit dem Sänger Philipp Poisel auf einer Bühne sah, war für ihn klar: „Ich will nicht jemanden zum Singen haben. Ich will beides zusammen machen.“ Nun weiß man nicht, was Mister Me im Titelstück „Nackt“ eigentlich macht: singen oder rappen? Auf jeden Fall klingt es gut.

Die Videos

Mit seinem ungewöhnlichen Stil aus Melancholie und Dynamik ist der gelernte Erzieher so erfolgreich, dass er seit einigen Jahren von der Musik leben kann. Dabei soll sein richtiges Debütalbum erst nächsten Winter erscheinen. Um trotzdem jetzt schon bekannter zu werden, hat er sich mit seinem Manager, dem ehemaligen „Virginia Jetzt!“-Sänger Nino Skrotzki, eine interessante Vorgehensweise ausgedacht. Die Offline-Methode besteht darin, so viel wie möglich live zu spielen. Die Online-Methode sind neun ungewöhnliche Videos, die Mister Me im Lauf des Jahres ins Netz stellt.

Anders als bei den üblichen Unplugged-Clips von vielen seiner Kollegen hat jeder Film eine Geschichte. So sitzt Meißner im Video zum Song „Winter“, in dem es um innere Kälte geht, mit Gitarre und einem älteren Mann bei 80 Grad in der Sauna. Das sieht ziemlich cool aus, aber am Ende glänzt Meißners Glatze vor lauter Schweiß.

Mister Me: Nackt (Revolver). Wertung: vier von fünf Sternen

Mister Me tritt mit seiner Band am 6. April, 20 Uhr, im Kasseler Schlachthof, Mombachstraße 12, auf, sowie am 15. April, 20 Uhr, im Göttinger Nörgelbuff, Groner Straße 23.

Video Nackt:

Video Winter:

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.