Raritäten für Streicher mit dem IMO-Ensemble im Opernfoyer

Sie eröffneten das Konzert mit Richard Strauss: (von links) Dimitrios Papanikolau und Nora Hapca (Violine), Ian Anderson und Manuela Mocanu (Viola), Stefan Hadjiev und Katarina Malzew (Violoncello). Foto: Zgoll

Kassel. Das von Yoel Gamzou gegründete International Mahler Orchestra (IMO) ist ein flexibles Ensemble, das in den unterschiedlichsten Besetzungen auftritt.

Beim Kammerkonzert des Staatstheaters am Montag war das IMO-Ensemble im voll besetzten Opernfoyer in verschiedenen Streicherformationen vom Duo bis zum Septett zu hören.

So herzerwärmend schöne, fast schon süffige Musik wie beim eingangs gespielten Streichsextett von Richard Strauss aus seiner letzten Oper „Capriccio“ (1942) sollte es an diesem Abend nicht wieder geben. Der sechsstimmige Satz verdichtet schöne Melodien und belebt sie durch die innere Bewegung der Mittelstimmen. Mit diskreter, feiner Tongebung und subtilem Ausdruck spielte das vom Staatstheater-Geiger Dimitrios Papanikolau angeführte Sextett.

Einen harten Kontrast dazu setzte das 1978 entstandene Streichseptett „Shaker Loops“ von John Adams. Der US-Komponist setzt sein Stück, ähnlich wie die Minimalisten, aus einfachen Tonfolgen und rhythmischen Bausteinen zusammen, die sich zu komplexen Gebilden auftürmen und deren Gleichförmigkeit durch überraschende Ereignisse aufgebrochen wird. Echte Emotionalität verströmt diese Musik nicht, doch neben tollen Klangeffekten wie angeschliffenen Flageoletts ergab sich in der von Yoel Gamzou geleiteten eindringlichen Interpretation ein fast tranceartiger Klangstrom. Mit dabei war hier der Kasseler Kontrabassist Heiko Pape.

Flexibel und einfallsreich geht der Brite Michael Dau-gherty mit seinen musikalischen Mustern um: Sein von den Violisten Ian Anderson und Manuela Mocanu mit viel emotionalem Einsatz gespielte Duo „Viola Zombie“ (1991) sorgte für reichlich Vergnügen.

Ein gewaltiges Werk, nicht allein wegen seines enormen Umfangs, ist das C-Dur Streichquintett D 956 von Franz Schubert. Das Quintett mit Dimitrios Papanikolau, Nora Hapca (Violine), Ian Anderson (Viola), Stefan Hadjiev und Staatsorchester-Musikerin Katarina Malzew (Violoncello) begann sehr konzentriert und klangsensibel - besonders schön abgetönt das zweite Thema.

Dass es nicht gelang, die anfängliche Spannung zu halten, lag am äußerst langsamen und im Pianissimo fast ersterbenden Adagio und am ebensolchen Scherzo-Trio. Auch hätte man sich von der Bassgruppe mehr Energie-Input gewünscht. Der lange, herzliche Beifall war dennoch hochverdient.

Von Werner Fritsch

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