Das Tingvall-Trio begeisterte mit explosiven Stimmungsfarben im Saal des Uni-Instituts für Musik

Rasant den Jazz gerockt

Das Tingvall-Trio: (von links) Martin Tingvall, Jürgen Spiegel und Omar Rodriguez Calvo. Foto: Schachtschneider

Kassel. Stufe für Stufe steigt das Tingvall-Trio in der Popularität nach oben. Reichte vor einigen Jahren noch der Saal im Kulturzentrum Schlachthof, so musste es am Samstag schon der Saal in der Uni, Mönchebergstraße 1, sein. Und auch der platzte aus allen Nähten. 260 Besucher waren gekommen – ausverkauft.

Ob es an Tingvalls besonderem Talent liegt, auch in die wildesten Jazz-Impressionen noch mit spielerischer Leichtigkeit Melodien einzufädeln? Auch für Udo Lindenberg hat der schwedische Pianist komponiert. Das Stück „Wenn du durchhängst“ zum Beispiel.

Das Jentzen Groh Trio eröffnete den Abend als Support. Dann legte das Tingvall-Trio los - so temperamentvoll, dass man besorgt war, ob die Kraft noch für den Rest des Konzertes reicht. Eine muntere Mischung stand da auf der Bühne. Martin Tingvall ist Schwede, Kontrabassist Omar Rodriguez Kubaner und Schlagzeuger Jürgen Spiegel Deutscher. Schnittstelle für alle drei: Hamburg.

Überwiegend auf Stücke von ihrer neuesten CD „Vägen“ konzentrierte sich das Trio an diesem Abend. Das Album ist temperamentvoll, aggressiv und drückt zumeist auch im Tempo mächtig auf die Tube. So beim ersten Stück „Sevilla“. Das nächste, „Der einsame Mann“, verspricht mal elegante Jazzromantik, die so anspruchsvoll arrangiert, wie auch zauberhaft verträumt daherkommt.

Es wurde jedoch nur ein kurzes Intermezzo in puncto Entspannung. Wer das bedauerte, wurde später durch Stücke älteren Datums entschädigt. Trumpf waren an diesem Abend exaltierte Leidenschaft, kraftvolle Bassläufe, wirbelnde Pianosprints und viele Wechsel in den Stimmungsfarben.

Bisweilen rockte Tingvall den Jazz geradezu und wirbelte dann auf den Tasten wie einer, der um sein Leben rennt. So beim Stück „Shejk Schröder“. „Schröder nennen wir uns oft gegenseitig aus Spaß“, erklärte Tingvall schmunzelnd, um einen kleinen Einblick in die Bandharmonie zu geben.

Das Publikum bedankte sich mit viel Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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