Neu im Kino: Lone Scherfig enttäuscht mit „Zwei an einem Tag“

Ratgeber für Anfänger

Sie kommen sich nah, aber nie nah genug: Dexter (Jim Sturgess) und Emma (Anne Hathaway). Foto: tx

Nach fröhlich durchzechter Examensfeiernacht landen Emma (Anne Hathaway) und Dexter (Jim Sturgess) am 15. Juli 1988 zusammen im Bett. Aus dem One-Night-Stand wird keine große Liebe, aber immerhin eine dicke Freundschaft.

Die scharfzüngige Emma, die davon träumt, Schriftstellerin zu werden, sich aber zunächst als Bedienung in einem mexikanischen Restaurant durchschlagen muss, und der aus wohlhabenden Verhältnissen kommende Dexter, der schon bald eine Karriere als hipper TV-Showmaster beginnt, behalten sich mehr als 20 Jahre mit schwankender Intensität im Auge. Immer am 15. Juli sucht Lone Scherfigs „Zwei an einem Tag“ die beiden auf und gleitet Jahr um Jahr durch die Höhen und Tiefen einer Freundschaft, die eigentlich sehr viel mehr sein sollte.

Nur auf den ersten Blick wirkt die sprunghafte Jahrestage-Dramaturgie wie ein Befreiungsschlag aus den eng geschnittenen Formatvorlagen der romantischen Komödie. Aber trotz der Zeitsprünge ist die Entwicklung der Figuren äußerst vorhersehbar. Während der schicke Dexter im Sumpf der Medienschickeria recht gründlich auf den Hund kommt, erblüht die scheinbar unscheinbare Emma zu einer wunderschönen Frau, die als Kinderbuchautorin schließlich sogar berufliche Erfolge zu verzeichnen hat.

Zu spät erkennt Dexter, dass er jahrzehntelang an der Liebe seines Lebens vorbeigesegelt ist, da schwingt das Drehbuch auch schon die Schicksalskeule und bereitet dem kurzen Glück ein jähes Ende. Fast schon erzieherisch wirkt diese Schlusswendung, die männliche Polygamie und Bindungsunfähigkeit gnadenlos abstraft und die Geschichte als Beziehungsratgebermedium in Gebrauch nimmt.

Umso enttäuschender ist diese romantisch-didaktische Haltung, wenn man weiß, dass Regisseurin Lone Scherfig als dänische Dogmafilmerin („Italienisch für Anfänger“) und auch in ihrem letzten englischsprachigen Film, dem hinreißenden „An Education“, so sehr viel differenzierter die menschlichen Stärken und Schwächen ihrer Figuren ausgelotet hat.

Genre: Drama

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!:::

Von Martin Schwickert

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