Stürmischer Applaus für Element Of Crime

Raue Hülle, weicher Kern: Sven Regener und Element Of Crime im Kasseler Kulturzelt

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Legte fast eine One-Man-Show hin: Frontmann Sven Regener von Element of Crime.

Kassel. Auf der Bühne gibt Sven Regener gern den rauen Kumpeltyp, der sich über Gefühle lustig macht. So auch am Freitag im vor Besuchern überquellenden Kulturzelt. Waren kuschelweiche Töne angesagt, riss er anschließend die Arme in die Höhe und rief grinsend: „Romantik.“

Im Herzen sieht es bei dem 56-jährigen Bremer Musiker, Schriftsteller und Kopf der Formation Element Of Crime aber anders aus – das verraten seine Texte. Auch die sind zwar voller Ironie und Sarkasmus, aber eben auch unverkennbar voller Sehnsucht nach Liebe, zudem sie sind wunderbar geschrieben: Voller Poesie erzählen sie Geschichten, lassen Bilder im Kopf entstehen.

Element Of Crime gibt es schon über 30 Jahre. Regeners Stimme klingt, als würde er schon vor dem Frühstück ein Päckchen Zigaretten rauchen. Die Musik kommt ein wenig schleppend rüber. Seine Mitmusiker – Jacob Ilja (Gitarre), Richard Pappik (Schlagzeug), David Joung (Bass) und Rainer Theobald (Saxofon) – nimmt man nur als Kulisse wahr. Regener selbst spielt Gitarre und greift ab und zu zur Trompete. Sein markantestes Instrument aber ist seine raue Stimme.

Das Konzert ist im Grunde seine One-Man-Show. Regeners Texte, und wie charismatisch er sie vorträgt, berühren. Zumeist haben sie die Tragik eines Verlierers: „Wie kümmerlich ist die Wirklichkeit“, singt er in seinem Stück „Schwere See“ – und „ich habe lange auf dich gewartet, gelohnt hat sich das nicht.“ „Heimatlos, aber nie zu Hause“ fühlt er sich, stellt fest, dass der „nackte Bauch ihm Himmel war“. Über Berlin bilanziert er, dass „ihre Nebel Raucher sind“ – wenn es „dunkel und kalt wird“.

Dass er diesem wunderschönen, melancholischen Lied den Titel „Gummibärchen“ gibt, ist typisch für ihn. Viele gute alte bekannte Songs bringen er und seine stets im Hintergrund verweilende Band mit ins Kulturzelt. Mit dem Publikum ist er ständig in Kontakt. Auf seine ganz spezielle Weise. Da blitzt dann der Macker auf, der gern mal einen Spruch abdrückt. Als ein Besucher ruft: „Spiel’ doch mal was ganz Altes“, ruft er grinsend zurück: „Du bist doch schon da.“ Stürmischer Applaus, Zugaben.

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