Kinderbuchautor Andreas Steinhöfel stellte an der Uni seinen Roman „Anders“ vor

Raus aus der Rico-Schublade

Signierstunde: Julius (10, links) und Philipp Striegel (13, Kassel) mit Andreas Steinhöfel. Foto: Lohr

Kassel. Auf dem Höhepunkt seines Erfolgs fühlte sich der Schriftsteller Andreas Steinhöfel nicht mehr wohl. Mit der Trilogie um Rico und Oskar wurde der 53-Jährige zum Star unter den Kinderbuchautoren. Aber Deutschland ist das „Land der Dichter, Denker und Schubladen“, wie Steinhöfel am Dienstag bei einer Uni-Lesung sagte: „Ich will nicht für immer der Rico-Mann bleiben.“

Sein jüngster Roman, den er vor mehr als 100 Zuhörern vorstellte, trägt darum den programmatischen Titel „Anders“. Steinhöfel will anders sein – wie der zwölfjährige Felix, der im Buch von seiner Mutter im SUV überfahren wird, ein Dreivierteljahr im Koma liegt und alles vergessen hat, als er wieder aufwacht. Felix will nun Anders genannt werden. Durch die Amnesie ist er zum Synästhetiker geworden: Er sieht Menschen von Farben umgeben und kann so auf ihren Gemütszustand schließen.

Das klingt esoterisch, ist aber eine typische Steinhöfel-Geschichte, die auch Erwachsene nicht mehr aus der Hand legen können. Wie bei den Abenteuern von Rico und Oskar erzählt der nach vielen Jahren in Berlin nun wieder in Biedenkopf lebende Autor den Plot als Krimi: „Ein gutes Geheimnis zieht den Leser durch die Geschichte.“ Dabei wird es auch mal ein bisschen blutig, und geschimpft wird ebenfalls.

Anders als viele seiner Kollegen nimmt Steinhöfel seine jungen Leser ernst. An der Uni gestand er, dass die Hauptfigur beim Schreiben ein Eigenleben entwickelt habe: „Anders ging mir selbst schon auf die Nerven.“ Trotzdem gab es hymnische Kritiken. Zum „schönsten Buch des Jahres“ wurde „Anders“ auch gewählt.

Nächstes Jahr kommt die dritte Rico-Verfilmung ins Kino. Derzeit arbeitet Steinhöfel an einer Zeichentrickserie seiner Erfolgsreihe für die „Sendung mit der Maus“. In die Schublade, auf der „Rico“ steht, wird sich der Schriftsteller immer wieder begeben – freiwillig.

Andreas Steinhöfel: Anders. Verlag Königskinder. Ab 12 Jahren, 240 Seiten, 16,90 Euro.

Von Matthias Lohr

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