Große Werkschau des „Zero“-Künstlers Heinz Mack in der Bundeskunsthalle Bonn

Ins rechte Licht gerückt

Die Entdeckung der Farbe: „Ohne Titel (Chromatische Konstellation)“, Acryl auf Leinwand, aus dem Jahr 2009. Fotos:  Bundeskunsthalle

Bonn. „Das Licht ist für meine Kunst entscheidend. Was das Licht betrifft, so möchte ich an die Grenze des Machbaren gehen. Ich bin von dem Spektrum des Lichts fasziniert. Das Licht hat eine eigene Energie und Qualität.“ Für den Künstler Heinz Mack ist Licht Ausgangs- und Kristallisationspunkt seines Schaffens.

Der Weg zum Licht führt in die Bonner Bundeskunsthalle, die den Künstler, der jüngst seinen 80. Geburtstag feierte, mit einer Retrospektive ehrt. Dort wird ein großer Bogen geschlagen, der 140 Arbeiten aus sechs Jahrzehnten versammelt und die wichtigsten Arbeitsbereiche des umtriebigen Seniors vorstellt.

Noch bekannter als der Name des Künstlers ist die Gruppe, die er 1957 mit Otto Piene in Düsseldorf gründete: „Zero“. Man wandte sich gegen aktuelle Kunstströmungen wie die informelle Malerei. Stattdessen orientierten sich Mack und Co. weg vom Tafelbild. Sie arbeiteten nach rationalen Ordnungen, oft in Serien und nicht selten unter Zuhilfenahme der Technik. Vehement lehnten sie Kunst als Ausdruck der Zeit ab. Statt subjektiver Äußerungen schufen die Künstler objektive Konstrukte.

Heinz Mack folgt diesem Kunstverständnis bis heute. Der Besucher der Bonner Ausstellung wird von einem von der Decke baumelnden Drehspiegel und einer in Licht gehüllten Edelstahlskulptur willkommen geheißen. Beide Arbeiten sind erst in den letzten Monaten entstanden.

Nach dem Kabinett mit Malerei aus der „Zero“-Zeit, in der Mack versuchte, seine Bilder mit dynamischen Strukturen in Weiß und Grau zum Vibrieren zu bringen und somit von der Zweidimensionalität zu befreien, geht es in die Wüste. Macks experimentelle Arbeiten in der Sahara mit Licht, Feuer und Wind gelten als Essenz des „Zero“-Gedankens - und können als Wegbereiter der Land-Art angesehen werden.

Das Universum des häufigen Biennalen- und documenta-Teilnehmers, der 1964 mit seinen „Zero“-Kollegen in der Abteilung „Licht und Bewegung“ im Fridericianum für Furore gesorgt hatte, wird in Bonn buchstäblich ins rechte Licht gerückt. Effektreiche Lichtgitter, eine Lichtleiter, ein Lichtkamm oder eine bunte „Electrical Sun“: Alles leuchtet, reflektiert und dreht sich wie etwa der farbige „Lichtventilator“ von 2009. Auch wenn vieles aus heutiger Sicht kunsthandwerklich wirkt, Heinz Mack träumt weiter von der Macht der Schönheit, wofür der spiegelnde Bronzekubus oder ein farbiges Glas-Relief ansprechende Beispiele sind.

Der „Prototyp eines Künstler-Ingenieurs“, als den ihn der Kritiker Heiner Stachelhaus erkannte, hat später die Farbe für sein malerisches Werk entdeckt. Seine stark rhythmisch strukturierten Bilder erinnern an die Farbfeldmalerei.

Mack, der die Museen hinter sich lassen wollte und behauptete, dass die Natur der beste Raum für seine Skulpturen sei, hat doch die Bonner Schau maßgeblich mitgestaltet.

Bis 10. Juli, Bundeskunsthalle Bonn, Tel. 0228/9171-200, www.bundeskunsthalle.de, Katalog im Museum 29,80 Euro.

Weitere Mack-Ausstellungen sind zurzeit im Rheinland zu sehen: Im Düsseldorfer Museum Kunst Palast sind Zeichnungen und im Museum Abteiberg in Mönchengladbach kinetische Arbeiten von Heinz Mack ausgestellt.

Von Ulrich Traub

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