Die 17 Hippies boten zum Abschluss der Kasseler Kulturzeltsaison einen unterhaltsamen Abend

Rechtzeitig in der Applaus-Spur

Musikalisch perfekt, aber ein wenig bieder: Die 17 Hippies beim Abschlusskonzert des Kasseler Kulturzelts mit Sängerin und Akkordeonistin Kiki Sauer (Mitte). Foto: Fischer

Kassel. Manche Urlauber fahren jedes Jahr an die Costa del Sol, die 17 Hippies kommen jedes Jahr in das Kasseler Kulturzelt. Dabei stellt sich eine gewisse Vertrautheit ein. Man kennt den Ort, die Atmosphäre, die Menschen. Routine ersetzt die Neugier, Gelassenheit dämpft die Spannung.

So wirkten die 13 Musiker, die sich 17 Hippies nennen, zu Beginn auch etwas gelangweilt. Ihr Repertoire umfasst Balkanbeats, Chanson und Country. Alles glänzt in Perfektion, nichts wird dem Zufall überlassen. Mit deutscher Gründlichkeit verarbeitet man die wichtigsten Parameter dieser Genres zu einem abwechslungsreichen Bühnenprogramm.

Man wechselt Gesangsparts und Instrumente, teilt sich die Moderation und animiert in einer einstudierten Dramaturgie das Publikum. Das funktioniert hervorragend, obwohl es für den Zuhörer einige emotionale Hürden zu überspringen gilt.

Basilikum statt Paprika

Wer schon mal in den Genuss kam, einen Goran Bregovich oder Boban Markovic live zu erleben, muss in Bezug auf Leidenschaft und Temperament seine Ansprüche herunterrechnen. Da wirkten die Hippies einfach ein wenig bieder und kontrolliert. Schweiß floss nur, weil die Schwüle durch das Zelt drückte. Der Körpersprache fehlte es an feurigen Adjektiven und die Soli schmeckten eher nach Basilikum als nach Paprika.

Da muss schon Spielfreude über den Bühnenrand sprudeln, sonst klingt das schnell mal wie glattgebügelte Unterhaltungspolka. Doch da kam die Band rechtzeitig in die Spur. Auslöser war die kleine Verletzung von Gitarrist Dirk Trageser, der sich am Instrument den Finger anritzte. Spontaneität war gefragt und lockerte die Stimmung.

Mit kompositorischer Raffinesse kompensiert man die energetischen Defizite und holt sich das Publikum mit ein paar Geschichten ins Boot.

Herausragend Bassist Daniel Cordes und Kruisko am Akkordeon, die immer für genügend Schwung unter der Motorhaube sorgten. Ebenso Posaunist Uwe Langer, der an der Bühnenfront mächtig Stimmung einforderte.

Viel Applaus, viele Zugaben und das Versprechen, nächstes Jahr mit neuer CD wieder aufzulaufen, beendeten eine fantastische Konzertsaison im Kulturzelt.

Von Andreas Köthe

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