documenta-Künstlergruppe And And And lädt zum Treffen ein

Zeichnung von „And And And“.

Kassel. Zum nächsten Treffen der Initiative „Commoning in Kassel“ lädt die Künstlergruppe „And And And“ für heute, Dienstag, 19 Uhr, in den Hörsaal der Kunsthochschule ein.

Die Künstler von „And And And“, die die künstlerische Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev zur documenta 13 eingeladen hat, beschäftigen sich mit dem Begriff des Gemeinguts. „Commoning“ steht für Vergemeinschaftung. Dazu zählt etwa, öffentliche Räume in der Stadt zu schaffen oder zu erobern und daraus Gemeinschaftsgärten zu machen.

„Gern würden wir den Hunderttausenden Besuchern der dOCUMENTA (13) in diesem Sommer die Frage stellen: Wie sieht eine Kultur der Gemeingüter aus?“, formulieren die Künstler, die in der Öffentlichkeit anonym bleiben wollen, in ihrem zweiten Brief an die Kasseler. Bei Zusammenkünften im Vorfeld - eine erste gab es Ende Februar - soll darüber diskutiert werden. „Um eine derartige Erörterung auf den Weg zu bringen, haben wir Einzelpersonen und Gruppen eingeladen, die sich in Kassel und in der Region engagieren und die über ihre Anstrengungen bezüglich der jeweiligen Gemeingüter zu Wort kommen sollen.“

Die Veranstaltung heute soll auch zur Bildung kleiner Gruppen führen, die Gemeingutprojekte in und um Kassel entwickeln oder sich an bestehenden beteiligen: „Hier wird es den Menschen ermöglicht, sich einzubringen.“ Ein Thema ist die Produktion von Nahrungsmitteln. „And And And“ greifen den Vorschlag auf, Essen mitzubringen, um es zu teilen. „Wir möchten bloß ergänzen, dass die Leute jeweils auch einen Teller, einen Becher und Essbesteck mitbringen sollten.“

Bei Workshops im Sommer soll gemeinsam gekocht werden. „Wenn Sie uns also Ihre Teller und Utensilien überlassen würden, dann werden wir diese mit Vergnügen in unserer Küche zum Einsatz bringen.“

Aufruf von "And And And":

„And And And“ bedanken sich im Brief an die Kasseler für die Offenheit, Energie und Begeisterung beim ersten Treffen Ende Februar. „Aufgabe bleibt für uns alle, diese kollektive Energie wirksam werden zu lassen, vor allem deshalb, weil man vielen von uns eingeredet hat, es sei zweifelhaft, dass so etwas möglich sei. Wir wissen, dass politische Zusammenkünfte und kollektive Aktionen bedeutsame Veränderungen mit sich bringen können“ - wie zuletzt die revolutionären Vorgänge in Nordafrika gezeigt hätten. Auch das Internet habe „die Notwendigkeit und Leistungsfähigkeit gelehrt, die der Austausch von Dingen, Ideen und Informationen mit anderen mit sich bringt - ohne Wunsch nach Rückvergütung oder auch nur Anerkennung.“

Es gebe die Bereitschaft, Praktiken der Gemeingüter (Kooperationen, Teilen, Schenken) „auf reelle Verhältnisse und Räume zu übertragen“. Solche Veränderungen stießen aber auf Hindernisse: „Bei diesen Anstrengungen, Gemeingüter in unserer Lebenswelt geltend zu machen, stoßen wir auf die Regime des Eigentums (sei es geistiges oder materielles) oder auch auf innere Verfasstheiten, die nur schwer zu überwinden sind.“ „Unmittelbar sieht man sich globalen Kräften gegenüber (meistens sind es finanzielle Interessen), die scheinbar mehr und mehr den Planeten beherrschen, und gleichzeitig hat man mit den Bestandteilen einer globalen Krise zu tun, der man die Stirn bieten muss. Zum Beispiel: Welche Rolle spielt eine Grenze für ein leckgeschlagenes Atomkraftwerk?“ Es stelle sich die Frage, „wie wir uns denjenigen Regimes entziehen, die nur darauf abzielen, sich selbst kurzzuschließen, auszubeuten und Profit zu machen“. Und: „Diktatorische Regime können gestürzt werden, doch wie stürzen wir die Regime in uns selbst?“

Der vollständige Brief:

http://andandand.org/

Von Mark-Christian von Busse

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