Reggae-Sänger Patrice: Der Rebell von Schloss Salem

Bob Marley und Bob Dylan sind seine großen Idole: Der Kölner Sänger und Gitarrist Patrice vor einem seiner Porträts. Foto: Meignan/ nh

Man kann sich gut vorstellen, wie die Plattenbosse bei Universal reagierten, als der Reggae-Sänger Patrice ihnen erzählte, wie er sein neues Album „One“ plante.

Der 31 Jahre alte Kölner wollte ein großes Streichorchester, mit dem schon die englischen Stars Mark Ronson und Damon Albarn gearbeitet hatten, der Bassist von Eric Clapton sollte dabei sein, für den Feinschliff wollte er drei Grammy-Gewinner engagieren, und aufgenommen werden sollte die Platte nicht nur in Köln, sondern auch in London, New Jersey und Jamaika. Plattenfirmen haben heute kaum mehr Geld für solch teure Projekte, „One“ haben die Bosse von Universal trotzdem genommen, weil sie es „großartig fanden“, wie Patrice sagt, der das „perfekte Album“ wollte. Ob sich „One“ jemals rechnen wird, ist fraglich. Ein zumindest fast perfektes Album ist es dennoch geworden. Jenseits aller Genregrenzen mischt Patrice Reggae, Soul, HipHop, Folk, afrikanische Beats und großen Pop zu einem universellen Sound.

Nicht nur deshalb ist „One“ ein passender Name für dieses Meisterwerk. In der Single „Walking Alone“ singt Patrice mit seiner knarzigen Stimme über die Einsamkeit in der modernen Welt, in der jeder unzählige Facebook-Freunde hat. „Ich liebe die Einsamkeit und schöpfe daraus Kraft“, sagt er im Interview mit unserer Zeitung. Patrice Bart-Williams, der schon seit mehr als zehn Jahren im Geschäft ist und in Frankreich Hallen mit 8000 Besuchern füllt, ist ein einsamer Rebell - nicht nur, wenn er mit der Plattenfirma verhandelt und sich nicht reinreden lässt.

Aufgewachsen ist der Sohn eines Schriftstellers aus Sierra Leona und einer Deutschen in Kerpen, der Heimatstadt von Michael Schumacher. Formel 1 ist für ihn jedoch nur Umweltverschmutzung: „Ich weiß nicht, ob so ein Sport nötig ist.“ Nach dem Tod seines Vaters besuchte er mit einem Stipendium das Elite-Internat Schloss Salem. Am Bodensee war er ein Einzelgänger und flog von der Schule, „weil ich Mist gebaut habe“. Nach drei Jahren dürfte er zurückkehren.

Heute, sagt Patrice, besteht „meine Rebellion darin, mich selbst zu verwirklichen“. Er mag keine Lieder ohne Botschaft und hofft, mit seiner Musik die Welt zu verbessern. Vor zwei Jahren trat er für Barack Obama vor 200 000 Menschen an der Berliner Siegessäule auf. Mit seiner Frau, der Sängerin Ayo, mit der er einen Sohn und eine gerade geborene Tochter hat, lebte er in New York. Mittlerweile ist die Familie in Paris und Köln zuhause. In der Domstadt sieht man Patrice oft mit seinem vierjährigen Sohn Skateboarden. Vater und Kind springen Treppen hinunter - auch das hat was Rebellisches.

Patrice: One (Urban / Universal). Wertung: vier von fünf Sternen

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