Künftige Architekten, Stadt- und Landschaftsplaner präsentieren ihre Semesterarbeiten in einem Rundgang

Die Region in Studentenhand

Ein Schloss aus Sperrmüll: Stellvertretend für alle 100 Beteiligten weihen diese Studenten ihr Bauwerk mit Krönchen und Fanfare ein. Fotos: Müller

Kassel. Wie verändert Technik das Wohnen in Kassel? Durch welche Maßnahmen kann das Leben in Sontra mobiler gestaltet werden? Und: Wie kann eine Werkssiedlung in Hessisch Lichtenau vor dem Verfall bewahrt werden?

Drei völlig unterschiedliche Fragen, und doch verbindet sie zweierlei: Es handelt sich um reale, regionale Problemstellungen, und sie alle waren als solche Teil des Studiums von Architekten, Stadt- und Landschaftsplanern der Uni Kassel. In einem Rundgang präsentieren die Studenten bis morgen ihre Semester-Arbeiten.

Fürstlich ragt vor dem Eingang des K10 an der Henschelstraße ein Ergebnis studentischen Schaffens gen Himmel. Ein Schloss, geschaffen aus Sperrmüll. 100 Studenten aller drei Studiengänge ließen das Objekt geleitet durch das Thema „Wert“ und unter Anleitung bildender Künstler entstehen. „Es ging darum, jenseits eines genauen Plans die Fantasie spielen zu lassen und die Ideen dann mit dem vorhandenen Material in Einklang zu bringen“, sagt die Künstlerin Karin Winzer.

Mitfahrzentrale für Sontra

Nicht praktisch, sondern theoretisch beschäftigten sich angehende Stadtplaner unter dem Motto „Gegenwart und Zukunft im ländlichen Raum“ mit dem Thema Mobilität. Anhand von Befragungen wollten sie herausfinden, welche Möglichkeiten der Fortbewegung in Sontra, Witzenhausen und Niedenstein genutzt werden und wie die Situation optimiert werden könnte. Ein Ergebnis: „Wir regen für Sontra an, eine regionale Mitfahrzentrale zu gründen und das Anruf-Sammel-Taxi bekannter zu machen“, erklärt Student Jan Tews.

Ein Gästehaus für Künstler

Nicht in Nordhessen, sondern rund 8500 Kilometer weiter westlich liegt Marfa, ein Ort in Texas. Für dieses Kunstzentrum sollten angehende Architekten Gästehäuser entwerfen. „Wir mussten uns eine Zielgruppe suchen und auf sie eingehen“, sagt Student Stefan Seeger. Er wählte sich Künstler und entwarf für sie ein funktionales Gästehaus mit Arbeitsplätzen vor den Wohnräumen, die sie inspiriert durch den Ort selbst gestalten können.

Zurück in Nordhessen: In „Wohnerleben soziologisch betrachtet“ versuchten Studenten zu erforschen, wie technische Neuerungen sich auf das Wohnen in Kassel auswirken. „Interessant ist, dass in der Generation unserer Großeltern sehr viel mehr einschneidende Neuerungen auf den Markt kamen als heute“, erklären die Architektur-Studenten Leonie Brauch und Janina Kuck und verweisen auf die Arbeitsersparnis etwa durch die Waschmaschine.

Mit einer gesamten Siedlung schließlich setzten sich Studenten des Projekts „Perspektiven für eine Werkssiedlung der 1920er-Jahre“ auseinander. Lösungen für die zukünftige Gestaltung der Siedlung „Fröhlich & Wolff“ in Hessisch Lichtenau sollten gefunden werden. „Dabei sollten keine Ideallösung, sondern Alternativen gesucht werden, die Grundlage einer Diskussion werden können“, sagt Thomas Pristl, wissenschaftlicher Leiter Infosystem Planung. Sechs umfassende Vorschläge entwarfen die Studenten, die vom generationenübergreifenden Wohnen bis hin zu einer verbesserten Wegeverbindung reichen.

Von Alexandra Müller

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