Im Reich der Freiheit: Verdis „Rigoletto“ in Kassel

Ein Leben in Gefangenschaft: Gilda (Bénédicte Tauran) und Rigoletto (Marian Pop). Foto: Klinger

Bei der Wiederaufnahme der Verdi-Oper "Rigoletto" am Staatstheater Kassel überzeugten vor allem die Sänger. Am Dirigentenpult stellte sich ein möglicher neuer Generalmusikdirektor vor.

Kassel. Gefangen ist sie immer, die junge Gilda. Entweder zu Hause in einem Verlies, in dem ihr Vater Rigoletto sie versteckt hält, oder in einer engen Kabine mit Drahtgitter. Diese dient in der Kasseler „Rigoletto“-Inszenierung von Sonja Trebes als karges Liebesnest und wird immer dann in den Bühnenhimmel gezogen, wenn der Herzog von Mantua sich mit einer Geliebten vergnügt (Bühne: Etienne Pluss, Kostüme: Sabine Böing). Am Freitag wurde Trebes’ düstere Vision von Verdis Erfolgsoper im zur Hälfte gefüllten Opernhaus wiederaufgenommen.

Ganz verständlich ist es in diesem Szenario nicht, warum Gilda am Ende der Oper - nun erstmals in freier Entscheidung - ihr Leben für den Herzog opfert, der sie doch eher vergewaltigt als verführt hat. Aber das Reich der Freiheit ist hier ohnehin die Musik. Wenn Bénédicte Tauran als Gilda in der großen Arie „Caro nome“ (Teurer Name) ihren makellosen Sopran in höchste Höhen aufschwingt, dann schwinden für einen Moment alle Zweifel an der magischen Kraft der Liebe.

Wie eng benachbart Liebe und Hass sind, wie tief die Verbitterung ist, die ein von einer herzlosen Gesellschaft zum Außenseiter gestempelter Mensch empfindet, das alles verkörpert Marian Pop als Rigoletto stimmlich wie darstellerisch auf höchst komplexe Weise. Hee Saup Yoon als tiefschwarzer Bass-Finsterling Sparafucile und Maren Engelhardt als mitfühlende Mörder-Gehilfin Maddalena setzen ebenfalls starke sängerische Akzente. Paulo Paolillo dagegen nimmt man die nonchalante Leichtigkeit des Herzogs angesichts seiner in den Höhenlagen gepressten Tenorstimme nicht so recht ab.

Am Dirigentenpult stand bei der Wiederaufnahme Roland Kluttig. Der Musikchef des Landestheaters Coburg stellte sich als Kandidat für die Nachfolge von Generalmusikdirektor Patrik Ringborg vor. Sehr geradlinig ging Kluttig die Oper an, zeigte aber wenig Flexibilität in Tempo und Dynamik, Massivität ersetzte oftmals Intensität. Erst in der Schlussszene schien Kluttig etwas mehr aus sich herauszugehen.

Die Berufungskommission, der Vertreter des Landes Hessen, der Stadt Kassel, des Staatstheaters sowie externe Experten angehören, steht nun vor einer schwierigen Entscheidung. Denn keiner der vier im Rennen befindlichen GMD-Kandidaten hat sich bei seinem Kasseler Bewerbungsdirigat nachhaltig aufgedrängt.

Weitere Termine: 3. und 15.4., Karten: Tel. 0561 / 1094-222.

Von Werner Fritsch

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